Sport : Ganz offiziell: Deisler wird im Sommer ein Bayer

Michael Rosentritt

Irgendwann im Juli ist es passiert. Also nicht das, was zu dem führte, was auf den Namen Jaden Gil hört und der Öffentlichkeit wie ein Weltwunder wahlweise von Mutter Graf und Vater Agassi präsentiert wird. Nein, es muss entweder rund um ein Fußball-Freundschaftsspiel unter Beteiligung der Mannschaft der Reinickendorfer Füchse, vielleicht bei den Spielen um den Zell-am-See-Cup oder erst doch kurz vor dem Bundesliga-Saisonauftakt Hertha BSC im Hamburger Stadtteil St. Pauli geschehen sein, dass sich Sebastian Deisler für Bayern München entschied. Jetzt also ist es raus. Ganz offiziell und in schriftlicher Form. Der Nationalspieler, der im kommenden Sommer Hertha verlassen wird, bezog gestern Stellung zur Debatte um seine berufliche Zukunft, die eine ganze Fußballnation für Wochen in Atem hielt. Demnach habe sich Deisler nach seinem Urlaub "nach reiflicher Überlegung" entschlossen, ab dem 1. Juli 2002 für vier Jahre für den deutschen Rekordmeister zu spielen. Hertha erhält von den Bayern 18 Millionen Mark Ablöse - wie vertraglich festgeschrieben.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fussball-Toto von meinberlin.de Eine Überraschung ist das nicht. Seit Wochen war damit gerechnet worden, dass er diesen Schritt gehen wird. Spätestens als bekannt wurde, dass die Bayern dem Mittelfeldspieler im Sommer 20 Millionen Mark überwiesen hatten, verdichteten sich die Gerüchte. Dabei spielt eine untergeordnete Rolle, ob die vielen Millionen Mark als Hand- oder Begrüßungsgeld, vielleicht auch als Darlehen oder Gedankenstütze zu verstehen waren. Bayerns Manager Uli Hoeneß bestätigte diesen Vorgang vor wenigen Tagen, was wiederum seinen Bruder Dieter Hoeneß, Manager von Hertha BSC, zu der Bemerkung veranlasst hat: "Das zeigt, dass sich die Bayern nicht ganz sicher sind, ob sie den Spieler auch bekommen." Dieter Hoeneß sagte zu diesem Zeitpunkt nicht, was er wirklich wusste. Deisler hatte Hertha bereits Ende September von seinem Schritt unterrichtet. Dieter Hoeneß entsprach damit nur der Absprache zwischen Verein und Deisler, wonach sich der Spieler erst in der Winterpause dazu äußern wollte. Nun kam alles anders. Deisler hatte sich eine Verletzung zugezogen und wird erst wieder in der Rückrunde spielen können. Und Hertha hat schon mal probiert, wie es sich ohne Deisler spielt - einigermaßen erfolgreich.

Nur daran war im Juli nun wirklich nicht zu denken.

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