Sport : Ganz real

Die Bayern gewinnen das erste Halbfinale gegen Real Madrid durch ein spätes Tor von Mario Gomez 2:1.

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So geht’s. Franck Ribéry bejubelt sein Führungstor, Bastian Schweinsteiger auch. Foto: dpa
So geht’s. Franck Ribéry bejubelt sein Führungstor, Bastian Schweinsteiger auch. Foto: dpaFoto: dpa

Was ist nun real? Real ist, dass der FC Bayern München im ersten Spiel des Halbfinals der Champions League 2:1 gespielt hat. Und real ist dabei auch, dass er über weite Strecken die tonangebende, die spielbestimmende Mannschaft, ja, man kann sagen, durchaus Herr im eigenen Haus war. Das ist alles real, und dramatisch war es auch, weil Mario Gomez erst in letzter Minute zum Siegtor kam. Aber ist es auch realistisch, anzunehmen, dass diese Ausgangslage reichen wird, um in der kommenden Woche im Rückspiel gegen Real Madrid im Bernabeu-Stadion den Einzug ins Finale zu schaffen? Das findet am 19. Mai in München statt, aber dass sie selber nur als Zuschauer dabei sein könnten, haben nicht nur ausdauernde Skeptiker und nörgelnde Miesmacher in Betracht gezogen und tun es immer noch.

Den ganzen Tag schon hatte eine merkwürdig ruhige Stimmung über der Stadt gelegen. Kaum Gesänge waren zu hören, kein Optimismus, gerade so, als ginge der Fürchtegott um. Und die örtlichen Blätter raunten, dass ein 0:0 doch schon ein recht feines Ergebnis sei gegen ein Team, das in dieser Saison in Meisterschaft, Pokal und Champions League bereits 143 Tore erzielt hatte. Und es dauerte auch lediglich sieben Minuten, bis Real die Ängste rechtfertigte und erstmals furchtsam auftrat. Mesut Özil hatte Holger Badstuber und Luiz Gustavo laienhaft aussehen lassen, zu Karim Benzema gepasst, und der benötigte schon einen meisterhaften Manuel Neuer, um nicht die Führung zu erzielen.

Andererseits war das eine Art Erweckungsbewegung, die Bayern versuchten in der Folge ins Spiel zu kommen. Erst untauglich, als Franck Ribéry in der 15. Minute sehr offensichtlich einen Elfmeter schinden wollte, dann sehr tauglich, als eben dieser Ribéry zwei Minuten später einen Abpraller von Sergio Ramos nach Ecke von Toni Kroos zur Münchner Führung einschoss. Das heißt, so ganz tauglich war die Situation auch nicht, Gustavo stand nämlich eindeutig im Abseits, als Ribéry traf. Schiedsrichter Howard Webb hatte das nicht gesehen. Und das Wunschergebnis war schon mal dahin.

Und die Furcht blieb. Keine Frage, die Bayern hatten ein wenig mehr vom Spiel, blieben aber unpräzise, trotz einiger starker Einzelauftritte. Stellvertretend seien genannt: Alaba, Alaba, Alaba, Schweinsteiger, Kroos und die 30. Minute, in der der Ball von Alaba über Kroos zu Gomez fand, der aber nicht ins Tor traf. Auf der anderen Seite Real, immer gefährlich, immer wieder durch Benzema, der so aussieht und sich bewegt wie einst der Brasilianer Ronaldo, aber zum Glück nicht so trifft wie jener. Der andere Ronaldo, der Cristiano, wechselte mehrfach genervt die Seiten, weil er erst auf links gegen Philipp Lahm nicht besonders gut aussah, dann auf rechts ebenso schlecht gegen David Alaba. Und trotzdem erstarrten die Zuschauer und alle Bayern, wenn der Mann, der sonst Tore schießt wie eine Maschine, zum Freistoß antrat. Ronaldo aber traf in diesem ersten Abschnitt eines bis dahin aufregenden Spiels nicht mehr. Die anderen Madrilenen auch nicht.

Und die Bayern machten geschickt weiter. Gustavo und Bastian Schweinsteiger hielten Özil im Mittelfeld knapp, Kroos marschierte und dirigierte allgegenwärtig, und was Arjen Robben auf der rechten Seite gegen Coentrao nicht gelang, gelang Alaba in Verbund mit Ribéry auf links. Und weil auch der zuletzt oft so unpässlich agierende Jerome Boateng mal zeigen wollte, warum er eigentlich Nationalspieler ist, klärte er in der 49. Minute in letzter Sekunde vor Benzema. Und doch ging nicht auf, was so schön begann. Es war die 53. Minute und Ronaldo war erstmals durchgekommen, Neuer parierte zwar noch prächtig, aber als Ronaldo an der Torauslinie erneut an den Ball kam und nach innen zu Özil passte, schlug der Fürchtegott gnadenlos zu: 1:1. Nein, das ist kein Wunschergebnis. Das begriffen auch die Bayern, sie gaben sich nicht hin und auch nicht auf. Thomas Müller kam für den bis zur Ermüdung starken Schweinsteiger. Willen war den Münchnern nicht abzusprechen, allein der letzte Pass kam nicht an. Robben schlug nun gute Flanken auf Mario Gomez, doch ein realer Kopf war immer vor dem von Gomez dran. Verdient wäre mehr gewesen. Als Ribéry sich zum Beispiel durchwühlte, der Lohn ihm aber von Casillas verwehrt wurde. Oder als Gomez dann doch einmal durchkam in der 87. Minute, strittig gelegt wurde, aber keinen Strafstoß bekam. Aber wer hat behauptet, dass das Leben und der Fußball gerecht sind? Mario Gomez! Man schrieb die 90. Minute, Lahm gab herein, Gomez traf. Ganz real.

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