Sport : Ganz unten

Hansa Rostock richtet sich nach dem 1:3 gegen Hannover am Tabellenende ein

Kerstin Hebeler[Rostock]

Die Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen, eilte Razundara Tjikuzu an den wartenden Journalisten vorbei. Katastrophal sei die Stimmung in der Mannschaft, zischte der Hansa-Spieler noch im Vorbeigehen. Auch sein Tor zum 1:3 in der 89. Minute gegen Hannover hatte seine Stimmung nicht heben können. Denn es blieb bei diesem für die Rostocker äußerst enttäuschendem Ergebnis. Nach vier verlorenen Heimspielen in Folge stehen die Hanseaten am Tabellenende.

Hannover 96, vor dem Spiel noch Letzter, fand mit dem ersten Auswärtssieg der Saison Anschluss ans Mittelfeld. Als einen verdienten Erfolg wertete Hannovers Coach Ewald Lienen, dessen Rausschmiss die 96-Fans schon gefordert hatten, das Ergebnis: „Wir haben heute gut gestanden und bis zur 45. Minute fast keine Chancen zugelassen.“

Der frühere Hansa-Trainer lag mit dieser Einschätzung richtig. Rostock begann zwar aggressiver und kämpferischer. Als nach einer Viertelstunde aber wie aus dem Nichts nach einem Freistoß von Leandro das 1:0 für Hannover fiel, verlor Rostock völlig seine Linie und agierte fortan unsicher und nervös. Das 0:2 nur neun Minuten später durch Tranquillo Barnetta war praktisch die Entscheidung. „Der Sieg war sehr wichtig für uns. Wir standen mit dem Rücken zur Wand“, sagte Per Mertesacker. Der Abwehrspieler von Hannover war erst in dieser Woche von Jürgen Klinsmann in die Nationalmannschaft berufen worden.

Als Hansas Stürmer Antonio Di Salvo, der zuletzt in Gladbach zweimal traf, nach hartem Einsatz von 96-Torwart Robert Enke ausgewechselt werden musste, erlahmte die Gegenwehr der Rostocker fast völlig. Unsicher in der Abwehr, ideenlos im Mittelfeld und wirkungslos im Sturm präsentierte sich Hansa vor heimischer Kulisse. Spätestens mit dem 0:3 durch Daniel Stenzel war klar, dass Hansa auch das vierte Heimspiel nicht mehr würde drehen können.

„Es war eine ganz enttäuschende Leistung. Ich bin total deprimiert“, sagte Vereinschef Manfred Wimmer. Seinem Coach Juri Schlünz stärkte er dennoch den Rücken: „Um den Trainer gibt es überhaupt keine Diskussionen.“ Doch auch Schlünz weiß, dass sich seine Mannschaft nun in einer ähnlich schlechten Lage befindet wie letztes Jahr, als er, damals Kotrainer, das Amt des Cheftrainers übernahm. „Ich sitze nun zum vierten Mal hier und muss zum vierten Mall eine Niederlage erklären. Das wird immer komplizierter“, sagte Schlünz. Ewald Lienen, damals Cheftrainer vor Schlünz in Rostock, sagte: „Ich wünsche Hansa alles Gute. Und vor allem Juri.“ Wirklich aufbauend klang das nicht.

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