• Garagen für Hooligans - Belgier beraten über Sicherheitskonzepte bei der Europameisterschaft

Sport : Garagen für Hooligans - Belgier beraten über Sicherheitskonzepte bei der Europameisterschaft

Charleroi baut ein Gefängnis für 1000 Hooligans. Die Garagen der Gendarmeriekaserne in der wallonischen Stadt, in der am 17. Juni der Klassiker Deutschland gegen England stattfindet, werden kurzfristig zur Fußball-Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden (10. Juni bis 2. Juli) umfunktioniert. Damit reagieren die Verantwortlichen der Sicherheitsdienste auf die zu erwartenden Probleme mit Hooligans während der EM 2000. Auch die übrigen belgischen EM-Spielorte Lüttich, Brügge und Brüssel sind dabei, ein Inventar der verfügbaren Zellen zu erstellen, um die Möglichkeit der vorübergehenden Festnahmen voll ausschöpfen zu können.

Gendarmerie-Major Michel Rompen erwartet alleine 20 000 englische Fans zum Duell gegen Deutschland im Stade du Pays de Charleroi. "Je näher das Spiel rückt, desto bessere Informationen bekommen wir aus England." Die Polizei hatte die Zahl der Fans zunächst auf 10 000 geschätzt.

Wie groß die deutsche Fan-Schar sein wird, ist noch ungewiss. Doch wird bei den belgischen Beamten davon ausgegangen, dass sie deutlich kleiner ausfällt. "Von den Deutschen reisen nicht so viele Anhänger mit, wenn ihre Nationalmannschaft im Ausland spielt", ist Major Rompen überzeugt. Das Stadion von Charleroi bietet nur 30 000 Zuschauern Platz. Je 16 Prozent des Kartenkontingents fielen den beiden Verbänden zu. Je 4800 englische und deutsche Fans werden somit den Euro-Schlager verfolgen können. Tausende werden wohl noch vor Ort versuchen, Karten auf dem Schwarzmarkt zu erhaschen. "Das wird unser größtes Problem", weiß Major Rompen.

Der Bürgermeister der Stadt Charleroi hat angekündigt, kein Alkoholverbot an diesem Tag zu verhängen. "Unsere Strategie wird nicht nur auf Verbotsbestimmungen basieren, sondern auf unmittelbarer Repression: null Toleranz für jeden Ruhestörer. Mit den Umbauarbeiten an der Gendarmeriekaserne ist noch nicht begonnen worden, doch immerhin gab das Innenministeriums grünes Licht. "Wir haben sogar auf der Rechnung, dass wir möglicherweise mehr als 1000 Hooligans aufnehmen müssen."

Auch der Generalstab der Gendarmerie beschäftigt sich derzeit mit diesem Problem. "Wir arbeiten zur Zeit an der Schätzung der Kosten für die Herrichtung von Lokalen, in denen Hooligans eingesperrt werden können. Bis zum Ende des Monats wird der Innenminister seine Entscheidungen bekannt geben", bestätigte Leutnant Oliver Quisquater, Pressesprecher des Generalstabs.

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