Sport : Gasprom kauft Putins Lieblingsklub

Russischer Energiekonzern übernimmt Zenit St. Petersburg und will 2006 etwa 50 Millionen Dollar für neue Spieler investieren

Elke Windisch[Moskau]

Wladimir Putin dürfte momentan ein sehr glücklicher Mensch sein. Zuerst wurde bekannt, dass ein guter Freund des russischen Präsidenten, der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, im Aufsichtsrat des Konsortiums der Ostsee-Pipeline unter der Führung des vom Kreml kontrollierten russischen Gaskonzerns Gasprom sitzen soll. Nun wird Gasprom bis zum Jahresende auch noch Putins Lieblingsfußballklub übernehmen. 25 bis 33 Millionen Euro will Gasprom laut Presseberichten für den Erstligisten Zenit St. Petersburg zahlen.

Der vom Kreml kontrollierte Konzern Gasprom hatte sich bislang als Minderheitsaktionär an Zenit beteiligt. In der Vorwoche habe der ebenfalls aus St. Petersburg stammende Gasprom-Chef Alexej Miller die Übernahme von mehr als 70 Prozent der Zenit-Anteile vom Bankhaus Sankt Petersburg vollzogen, meldete die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ unter Berufung auf Quellen bei Gasprom und Zenit. Die Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison den 6. Platz in der russischen Meisterschaft belegte, verfügt nach Schätzungen bislang über ein Jahresbudget von 20 Millionen Euro.

Das wird sich nun ändern. Allein für die kommende Saison, in der es Zenit St. Petersburg wie in dieser Spielzeit erneut mindestens bis in die Runde der letzten 32 Teams im Uefa-Cups schaffen soll, wollen Gasprom und zahlreiche Tochtergesellschaften rund 50 Millionen US-Dollar in den Ankauf von Weltklasse-Spielern investieren. Dafür fahren die Gasbarone ihre Unterstützung für andere Klubs zu Gunsten ihrer Neuerwerbung massiv zurück. Treffen wird das insbesondere einige der größten Konkurrenten von Zenit – unter anderem ZSKA Moskau und Schinnik Jaroslawl. Sie wurden bisher vom Ölgiganten Sibneft, den der russische Ölmilliardär Roman Abramowitsch im Herbst an Gasprom verkaufte, und von Sibur, einer weiteren Gasprom-Tochter, unterstützt. Beide Unternehmen kündigten bereits den Ausstieg aus den Sponsor-Verträgen an, die bis Ende 2006 laufen sollten.

Die Klubleitung bei Zenit hat den bevorstehenden Eigentumswechsel inzwischen offiziell bestätigt. Gemunkelt wurde darüber schon seit längerem. Gerüchten zufolge soll sich der Staatspräsident, der für den Klub seiner Heimatstadt schon als Student schwärmte, selbst bei Gasprom für den Deal stark gemacht haben. Zenit und Gasprom liegen damit im Trend. Immer mehr russische Milliardäre und Großunternehmen kaufen oder fördern heimische Spitzenklubs.

Maßgeblicher Entwickler dieses Modells ist Roman Abramowitsch. Der Gouverneur der Eismeer-Halbinsel Tschukotka ist laut dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin „Forbes“ momentan reichster Mann Russlands. Er übernahm im Sommer 2003 den Londoner Fußballklub FC Chelsea und formte ihn mit seinem Geld zu einem Spitzenteam. Etwa 220 Millionen US-Dollar musste Abramowitsch für sein neues Spielzeug hinblättern, fast noch einmal so viel hat er nach Meinung von Experten inzwischen für die Dienste von talentierten Fußball-Legionären aus aller Welt gezahlt.

Auf Kritik in der russischen Öffentlichkeit, er investiere sein Geld nur im Ausland, reagierte Abramowitsch mit dem bis zu diesem Zeitpunkt spektakulärsten Sponsorenvertrag im russischen Sport. Der damals noch von ihm kontrollierte Ölkonzern Sibneft handelte mit dem Moskauer Verein ZSKA im März 2004 eine Unterstützung über 45 Millionen Euro für drei Jahre aus. Die Finanzspritze zeigte Wirkung: ZSKA Moskau verstärkte seinen Kader massiv und gewann im Mai dieses Jahres als erste russische Mannschaft den Uefa-Cup.

mit dpa

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