Sport : Gatlin für acht Jahre gesperrt – vorerst

Gedopter Sprinter hofft als Kronzeuge auf Milde

Matthias B. Krause

New York - Olympiasieger Justin Gatlin akzeptiert eine Achtjahressperre für sein zweites Dopingvergehen – zumindest vorerst. Die Erklärung der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (USADA), die die Neuigkeit verkündete, war äußerst vorsichtig und mit juristischer Präzision formuliert. Sie sprach keinesfalls davon, dass der US-Sprinter zugibt, sich mit illegalen Mitteln schneller gemacht zu haben. Vielmehr habe er lediglich „die Ergebnisse der Dopingtests anerkannt“. In seinem Körper fanden die Kontrolleure im April Spuren des männlichen Hormons Testosteron, das von außen zugeführt worden war. Gatlin reagierte zunächst mit allerlei Erklärungsversuchen, entschloss sich nun aber zu einer Kehrtwende.

Bei der Anerkennung der Sperre, die auch die Streichung seines Weltrekords über 100 Meter nach sich zieht, handelt es sich um einen juristischen Schachzug, an dessen Ende Gatlin hofft, doch bald wieder laufen zu dürfen. Die Anwälte des 24-Jährigen deuten an, dass er ein Gnadengesuch beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) einreichen wird. Damit hatte Gatlin bereits in der Vergangenheit Erfolg. Noch als Student ging er 2001 den Dopingfahndern ins Netz. Damals machte er glaubhaft, dass das verbotene Mittel Bestandteil eines Medikaments war, das er gegen eine Aufmerksamkeitsstörung einnahm. Der Cas reduzierte seine Sperre von zwei Jahren auf ein Jahr.

Das genügte der USADA nun, um von einem lebenslangen Bann abzusehen, den ein zweiter Verstoß eigentlich nach sich zieht. Die Dopingfahnder hoffen, dass Gatlin sich als Kronzeuge in weiteren Dopingfällen anbietet, im Blickpunkt steht dabei sein Trainer Trevor Graham. Der behauptet bislang, ein rachsüchtiger Masseur habe Gatlin mit einer Salbe behandelt, die das verbotene Hormon enthielt. Allerdings sind wenigstens ein halbes Dutzend seiner Athleten ebenfalls wegen Dopings geschnappt worden. Das Nationale Olympische Komitee der USA erteilte ihm Hausverbot, mehrere europäische Meeting-Direktoren erklärten ihn zur Persona non grata. Derzeit untersuchen Justizbehörden, ob Trevor Graham im Zeugenstand gelogen hat. Im Prozess gegen das Doping-Labor Balco hatte er ausgesagt, seinen Schützlingen nie verbotene Mittel gegeben zu haben. Nicht nur Balco-Gründer Victor Conte behauptet das Gegenteil.

Wenn jetzt auch Gatlin gegen ihn aussagt, dürfte das für den umstrittenen Graham das Ende bedeuten. Der Anwalt des Sprinters wird derweil nicht müde zu betonen, dass die Anerkennung der positiven Dopingprobe keineswegs die Karriere seines Mandanten beenden müsse. „Die Länge seiner Sperre ist noch nicht in Stein gemeißelt“, sagte John Collins, „ich bin ein großer Optimist und hoffe, sie wird reduziert.“ Das hängt im Wesentlichen davon ab, was Gatlin als Kronzeuge zu bieten hat.

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