Sport : Geächtet und gefeiert

-

Benedikt Voigt über die

Auszeichnung für Thomas Springstein

Was macht eigentlich Katrin Krabbe? Lange hat man nichts mehr von der Doppelweltmeisterin und WeltSportlerin des Jahres 1991 gehört, was daran liegt, dass ihre neue Aufgabe als Verkäuferin in ihrem Sportgeschäft in Neubrandenburg zu keiner Schlagzeile taugt. Im April tauchte die ehemalige Leichtathletin das letzte Mal in den Zeitungen auf, als sie ihre Klage gegen den Internationalen Leichtathletik-Verband IAAF zurückzog. Beide Parteien hatten sich außergerichtlich geeinigt, 500000 Euro soll Krabbe dabei bekommen haben. Die Doping-Affäre, die vor mehr als zehn Jahren ihren Anfang nahm, ist beendet.

Das dachten auch die Teamleiter des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Sie haben Thomas Springstein zum Trainer des Jahres 2002 gekürt. Eben jenen Thomas Springstein, der im Jahr 1992 zugegeben hatte, für seine Läuferinnen Katrin Krabbe und Grit Breuer Spiropent beschafft zu haben. Das Asthma-Medikament stand damals nicht auf der Dopingliste, enthielt aber den verbotenen Doping-Wirkstoff Clenbuterol Um genau zu sein: Springstein war in der darauf folgenden Dopingaffäre um Grit Breuer und Katrin Krabbe nie selber angeklagt. Aber er war als Trainer der beiden später gesperrten Leichtathletinnen nicht ohne Schuld. Deshalb hatte ihn der DLV fristlos entlassen.

Vorbei. Katrin Krabbe verkauft Sportschuhe, und Grit Breuer läuft für Deutschland bei der Europameisterschaft 2002 über 400 Meter mit der Staffel zur Goldmedaille. Im Einzelrennen gewinnt sie überraschend Silber. Möglich macht das ihr Trainer und Lebensgefährte Springstein, der sie nach einer Verletzung unerwartet schnell zurück auf den Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit brachte. Dass man nun den Trainer dafür auszeichnet, ist nur konsequent. Der ehemalige DLV-Präsident Helmut Digel hatte bereits bei Springsteins Wiedereinstellung 1999 gesagt: „Man kann nicht Breuers Medaillen feiern und den Trainer ablehnen.“ Als Fall von Resozialisierung hatte er die Entscheidung für Springstein damals bezeichnet. Wie Grit Breuer eine zweite Chance erhält, verdient das auch der Trainer. Es gibt keinen Grund, Thomas Springstein den Respekt für seine aktuellen Verdienste zu versagen. So handelten jedenfalls die Teamleiter des DLV, als sie ihn ohne Enthaltung oder Gegenstimmen zum Trainer des Jahres kürten.

Und trotzdem. Bei allem, was das Gespann Breuer/Springstein in der Leichtathletik in Gegenwart und Zukunft gelingen mag. Ein schlechtes Gefühl wird bleiben. Das hätten sich beide vor zehn Jahren denken können. Auch bis Neubrandenburg dürfte das Sprichwort gedrungen sein, das man kleinen Kindern erzählt. Es lautet so ähnlich wie: Wer einmal betrügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben