Sport : Geboren in der 88. Minute

Das 2:1 gegen Barcelona deutet Schalke als Zeichen für das Entstehen eines lange vermissten Teamgeists

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Gelsenkirchen - Es wirkte fast so, als hebe sich Fabian Ernst sein erstes Tor für seinen neuen Verein für einen ganz besonderen Moment auf. Kurz vor Ende des 27. Spiels im Schalker Trikot war er dann gekommen: Der Linksschuss des Nationalspielers aus gut 20 Metern in der 88. Minute sicherte den Gelsenkirchnern den 2:1 (0:1)-Sieg gegen Espanyol Barcelona im Uefa-Cup und die realistische Chance, im Rückspiel am nächsten Donnerstag in Spanien ins Achtelfinale einzuziehen. Ernst wirkte nach dem Schuss sichtbar erleichtert. „Ich denke, das war sicher nicht mein letztes Tor in dieser Saison“, sagte der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler. Auch Schalkes Trainer Mirko Slomka glaubt, dass der Treffer Ernst neuen Auftrieb geben wird: „Das Tor hat mich für Fabian ganz besonders gefreut. Er ist mittlerweile zu einem sehr wertvollen Spieler für uns geworden.“

Vier Tage nach dem 7:4-Torfestival gegen Leverkusen nahm Slomkas internationaler Eignungstest dabei zunächst einen anderen Verlauf als erhofft. Zwar dominierten die Schalker das Geschehen und kamen allein in der ersten Halbzeit zu fünf guten Torchancen, doch das überraschende 0:1 durch Luis Garcia (34.) nach einem Konter schockte die Gastgeber. Nach einem ungeahndeten Foul von Ernst an Ito und einer Revanche-Aktion von Espanyols Alberto Lopo, der lediglich verwarnt wurde, drohte den überforderten italienischen Schiedsrichtern das Spiel kurz vor der Pause zu entgleiten. „Es war klar, dass die Spanier mit allen Mitteln versuchen würden, ihr Tor sauber zu halten“, sagte Slomka. Auch Ernst war der Meinung, dass die Spanier „nicht die Allerfairsten“ waren.

Slomka wirkte in der Halbzeitpause beruhigend auf sein Spieler ein, damit sie nicht durch viele kleine Fouls und Provokationen der Katalanen vollends aus dem Rhythmus gerieten. „Sie haben das dann gut umgesetzt, gefightet und in der zweiten Hälfte auch die richtigen spielerischen Mittel gefunden“, lobte Slomka. Der leidenschaftliche Kampf wurde durch die Tore von Marcelo Bordon (66.) und Ernst belohnt. „Es ist wichtig, dass wir mit einem Vorsprung nach Barcelona fahren. Nun können wir dort eher auf Konter spielen“, sagte der Trainer.

Doch nicht nur Andreas Müller hält das 2:1 für ein „gefährliches Ergebnis“. „Die Chancen stehen 50:50“, sagte der Teammanager. „Trotzdem war das Spiel wieder ein Beweis dafür, dass die Spieler wirklich ein Team sind. Sie haben sich gegen die Niederlage gestemmt und die Tore regelrecht erarbeitet.“ Wenn die Mannschaft in Barcelona die gleiche Leistung bringe, „glaube ich fest dran, dass wir die nächste Runde erreichen“, sagte Müller. „Da wächst eine richtige Truppe zusammen, man spürt das.“ Vielleicht bekommt das nun auch Hertha BSC zu spüren – beim Bundesligaspiel am Samstag im Olympiastadion. dpa

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