Sport : Gebt mir die Kugel

Skifahrer Hermann Maier gewinnt den Gesamtweltcup

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Sestriere (Tsp). Erst musste er stundenlange Diskussionen abwarten. Doch dann stand fest: Hermann Maier hat zweieinhalb Jahre nach seinem schweren Beinbruch und seinem spektakulären Comeback den Gesamtweltcup im alpinen Skisport gewonnen. Der Skifahrer aus Österreich profitierte am Samstag vom NebelChaos beim Weltcup-Finale in Sestriere.

Der Riesenslalom auf der Olympia-Piste der Winterspiele 2006 wurde zunächst zu einer großen Geduldsprobe und dann zu einem peinlichen Verwirrspiel. Maier und acht weitere Fahrer konnten ihren zweiten Lauf noch absolvieren, doch dann wurde die Sicht immer schlechter. Erst nach langen Beratungen entschied sich Renndirektor Günter Hujara zum Abbruch. Das Rennen wurde annulliert, und Maier konnte jubeln. „Das waren drei Stunden zwischen Himmel und Hölle. Es war eine sehr harte Entscheidung. Aber ich war die ganze Saison vorn und habe es sicher verdient“, sagte Maier. Eine zunächst erwogene Verlegung des zweiten Durchgangs auf Sonntag wurde später wieder verworfen. „Ich bin absolut unglücklich über diese Entscheidung. Das ist eines Weltcup-Finales unwürdig“, sagte der Präsident des Internationalen Skiverbandes Gian-Franco Kasper.

„Dieser Erfolg ist sicherlich höher einzuschätzen als mein Olympiasieg“, sagte Maier. Der 31-Jährige ist beim heutigen abschließenden Slalom von seinem Landsmann Benjamin Raich, der nach dem ersten Riesenslalom-Lauf geführt hatte, nicht mehr einzuholen. Der auf Rang zwei liegende Stephan Eberharter wird im Slalom nicht mehr starten, sodass Maier die vierte große Kristallkugel des Gesamtweltcup-Siegers seiner Karriere nicht mehr zu nehmen ist.

Bevor der dichte Nebel aufzog, hatte die Schwedin Anja Pärson die Tradition großer skandinavischer Erfolge fortgesetzt und sich den Gesamtsieg bei den Frauen gesichert. Noch ehe der Slalom vorbei war, reckte Anja Pärson jubelnd den Arm in die Höhe. Die Schwedin wusste da bereits, dass ihre härteste Konkurrentin Renate Götschl aus Österreich nicht in die Punkteränge kommen würde. „Es war heute unglaublich schwer, ich war so nervös“, sagte Pärson. Der überragenden Technikerin genügte im letzten Slalom des Winters ein sechster Platz zum ersten Gewinn der begehrten großen Kristallkugel. Mit Freudentränen in den Augen feierte die 22-Jährige im Zielraum den größten Erfolg ihre Karriere.

Auch die deutschen Ski-Frauen hatten auf der Piste der Olympischen Winterspiele 2006 wieder Grund zur Freude. Maria Riesch bestätigte ihre ausgezeichnete Form und wurde vor Monika Bergmann-Schmuderer Vierte. Riesch überholte im Gesamtweltcup Hilde Gerg und Abfahrts-Olympiasiegerin Carole Montillet (Frankreich) und rangiert in der Jahreswertung vor dem letzten Rennen am heutigen Sonntag auf Platz drei.

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