Sport : Gedrehtes Spiel

Beim 2:1-Erfolg des FC Schalke bricht sich der Dortmunder Mats Hummels den Unterkiefer

Richard Leipold[Gelsenkirchen]
325607_0_58def949.jpg
Folgenschwere Kollision. Hummels und Weidenfeller prallen zusammen. Foto: ddpddp

Auf der Titelseite ihres Vereinsmagazins hatten die Schalker ihre eigene Farbenlehre des Fußballs verkündet. „Für die Gelben sehen wir schwarz.“ Und sie behielten recht. Zwar strahlte nach Nuri Sahins Elfmetertor kurz nach der Halbzeit in der Gelsenkirchener Arena zunächst das Dortmunder Gelb. Doch Benedikt Höwedes, nach einer guten Stunde, und Ivan Rakitic, sieben Minuten vor Schluss, drehten mit ihren Toren das 135. Revierderby noch zugunsten der Heimelf und verliehen der Partie eine blaue Grundierung, die manchem Dortmunder Borussen wie trauriges Schwarz vorgekommen sein dürfte.

Vor dem Spiel hatte es vereinzelte verbale Scharmützel gegeben und natürlich die offiziellen Aufrufe, doch bitte friedlich zu bleiben. Auf dem Rasen und auch auf den Rängen war von ungesunder Rivalität wenig zu spüren. Beide Seiten lieferten einander einen intensiven, aber nicht sonderlich aufregenden Kampf. Allerdings änderte sich das nach dem Schlusspfiff. Schalke-Trainer Felix Magath moserte über einen TV-Sender, der immer wieder ein Foul von Kevin Kuranyi zeigte, der im Zweikampf BVB-Verteidiger Mats Hummels geschubst hatte. Der zog sich beim Zusammenprall mit dem herausstürzenden Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller einen Bruch des Unterkiefers zu, wie sich am späten Abend im Krankenhaus herausstellte.

Mats Hummels wurde bereits am Samstag in Bochum operiert, fällt allerdings mindestens vier Wochen aus und fehlt der deutschen U-21-Auswahl im EM-Qualifikationsspiel am kommenden Dienstag gegen Island.

„Natürlich war es ein besonderes Spiel. Dass man nach so einem Spielverlauf hoch erregt ist, ist doch klar“, sagte Felix Magath, nachdem er sich etwas beruhigt hatte. Ziemlich daneben war der Kommentar von Kevin Kuranyi zu seinem Schubser, obwohl er von der Schwere der Verletzung da noch nichts wusste: „Fußball ist für Männer.“ Mats Hummels unterstellte dem Schalker Stürmer Kuranyi keine Absicht: „Es war ein klares Foul“, aber „dass Zweikämpfe intensiv geführt werden, ist doch normal. Das ist halt so im Derby.“

Das Derby kam vor 61 673 Zuschauern recht spät in Gange. Nach dem Seitenwechsel trat Ivan Rakitic, der im eigenen Strafraum aushalf, dem Dortmunder Stürmer Nelson Valdez auf den Fuß und animierte Schiedsrichter Manuel Gräfe aus Berlin zum Elfmeterpfiff. Sahin nutzte den Strafstoß zum Führungstreffer, der auf das ganze Stadion wie ein Muntermacher wirkte. Der Nachbarschaftsstreit wurde nun bissiger geführt. Die Schalker mussten die Initiative ergreifen, was sie auch taten. Verteidiger Höwedes verwertete eine Freistoßflanke von Lukas Schmitz mit dem Kopf zum Ausgleich. Der BVB konnte dem kaum noch etwas entgegensetzen. Schließlich gelang Rakitic in einer rasanten Schlussphase der Siegtreffer. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar