Sport : Geduld und Spucke

Mathias Klappenbach

Es ist schon eine Überraschung, dass Jan Ullrich den Behörden in Deutschland anbietet, eine DNS-Probe abzugeben. Zwar hat er dies schon vor geraumer Zeit in der Schweiz getan, und eine weitere in Deutschland abgegebene Speichelprobe bringt beim Abgleich mit den in Spanien sichergestellten Blutbeuteln sicher kein anderes Ergebnis. Bemerkenswert ist vielmehr, dass Ullrich nun in die Offensive geht.

Viele, die an seine Unschuld glauben, haben sich genau das seit dem Sommer gewünscht. Die Frage ist, warum der Radprofi erst jetzt oder gerade jetzt aktiv in die gegen ihn laufenden Verfahren eingreift. Will er mit seinem neuerlichen Angebot verhindern, dass neben seinem Speichel auch bei einer Hausdurchsuchung in der Schweiz beschlagnahmte Notizbücher und anderes den deutschen Behörden übergeben wird? Oder sieht sich ein monatelang zu Unrecht Verdächtigter unter Zeitdruck und rückt von seinem Recht auf die Unschuldsvermutung und dem Kampf gegen die Umkehr der Beweislast freiwillig ab, weil die Saison vor ein paar Tagen ohne ihn begonnen hat, die anderen des Dopings Verdächtigten aber wieder mitfahren dürfen?

Der Abgleich von Ullrichs DNS mit den Blutbeuteln wäre ein großer Schritt zur Aufklärung. Aber noch nicht der endgültige. Dafür sind an dem Fall Ullrich zu viele Instanzen in zu vielen Ländern beteiligt. Und falls der Abgleich negativ ausfällt, gibt es laut den spanischen Ermittlern noch andere belastende Indizien wie SMS, Reisen oder Geldzahlungen. So bald wird Ullrich nicht wieder fahren.

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