Sport : Geduldsspiel

Michael Ballack kann gegen Mainz nicht überzeugen und wird beim nächsten Mal wieder zuschauen

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Geht ihm die Puste aus? Michael Ballack (r.) braucht nach seiner Verletzung noch Zeit, um seine Form zu finden. Foto: AFP
Geht ihm die Puste aus? Michael Ballack (r.) braucht nach seiner Verletzung noch Zeit, um seine Form zu finden. Foto: AFPFoto: AFP

Später am Sonntagnachmittag, seine Spieler warteten nach dem 1:0-Sieg bei Mainz 05 schon im Bus, da ist Jupp Heynckes noch gefragt worden, wie es denn mit seiner persönlichen Zukunft aussehe. Geduld, Geduld, mahnte der Trainer von Bayer Leverkusen: „Wenn einer sieben Monate verletzt ist, dann braucht er Zeit“, dafür sei der moderne Fußball zu schnell geworden und zu körperintensiv, „Simon Rolfes ist sogar mal für neun Monate ausgefallen“, und wenn ein Tennisspieler ein halbes Jahr lang verletzt sei, erwarte ja auch keiner gleich einen Sieg in Wimbledon oder so. Das war eine schöne Antwort, und man darf sie wohl so verstehen: Wenn Jupp Heynckes über seine Zukunft spricht, dann spricht er auch über die Zukunft von Michael Ballack.

Der altersweise Fußballlehrer Heynckes war bekanntlich kein Freund der Verpflichtung des alternden Fußballprofis Ballack, das hat er hinter verschlossenen Türen oft genug gesagt und zuletzt auch oft genug in aller Öffentlichkeit demonstriert. Für Heynckes ist das zentrale Mittelfeld in Leverkusen bestens besetzt, mit Künstlern wie Arturo Vidal und Renato Augusto, mit perfekt ausgebildeten Handwerkern wie Lars Bender und Simon Rolfes. Spätestens seitdem seine alten Freunde vom FC Bayern das Ende der Ära van Gaal verkündet haben und Heynckes im Nachfolge-Casting ganz oben steht, kann er die Bedingungen diktieren, und wenn Sportdirektor Rudi Völler sich noch so stark für seinen Protegé Ballack verwendet.

Am Sonntag durfte der aus einem Sonderfonds des Bayer-Werks finanzierte Ballack mal wieder von Anfang an spielen, zum zweiten Mal in diesem Jahr. „Dafür haben wir ihn ja geholt – dass er Fußball spielt“, sagte Heynckes, aber am Donnerstag in der Europa League gegen Villarreal werde selbstverständlich der in Mainz geschonte Rolfes auflaufen: „Simon ist ein absoluter Vollprofi und hat diese Maßnahme akzeptiert.“ Über Ballack hat der Trainer diesem Ton noch nie gesprochen.

Es gelangen dem Rekonvaleszenten gegen Mainz zwei, drei hübsche Pässe, er lief viel, ging aber fast allen Zweikämpfen aus dem Weg und wirkte doch ein wenig schwerfällig. Ballacks Anteil am Sieg war bescheiden, und wie gewohnt wollte er ihn auch mit keinem einzigen Wort kommentieren. Bayer fand erst zu seinem Spiel, als in der zweiten Halbzeit Renato Augusto das Spiel an sich zog. Der Brasilianer gab die Kommandos, er spielte die zuvor vermissten Vertikalpässe und er schoss auch das entscheidende Tor, kurzum: Renato Augusto spielte wie schon so oft die Rolle, die sich Bayer Leverkusens um mehr Glanz nach außen bemühten Marketingstrategen von Michael Ballack erhofft hatten.

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