Sport : Geeint nur im Erfolg

Apoel Nikosia kann als erster Klub Zyperns das Achtelfinale der Champions League erreichen.

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Der andere Ailton. Apoels Stürmer traf in der Champions League schon drei Mal. Foto: dpa
Der andere Ailton. Apoels Stürmer traf in der Champions League schon drei Mal. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Wenn sich heute in St. Petersburg eine Sensation andeutet, wird der Auswärtsblock orange leuchten. 1300 Gästefans werden erwartet, trotz der weiten Anreise von Zypern bis Russland. Doch sie wollen sehen, wie sich mit Apoel Nikosia zum ersten Mal ein zyprischer Klub für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Es wäre die größte Europapokalsensation der Saison – und die ist gar nicht unwahrscheinlich: Die Zyprer sind mit acht Punkten aus vier Spielen Tabellenführer der Gruppe G. Ein Punkt bei Zenit würde heute um 18 Uhr reichen, eventuell auch eine Niederlage, wenn Porto und Donezk unentschieden spielen.

Dass Apoel beziehungsweise der „Athletische Fußballklub der Hellenen aus Nikosia“ gar nicht in Orange spielt, stört die Fans nicht. Der zyprische Rekordmeister spielt in Blau, das für die Zugehörigkeit zu Griechenland steht, und Gelb, für das byzantinische Erbe. Die Ultras dagegen haben ihre eigene Farbe. Doch diese optische Trennung ist nichts Ungewöhnliches bei einem hoch politischen Klub, der wie kein zweiter für die komplizierte Spaltung der Mittelmeerinsel steht.

1926 gründeten Griechen den Hauptstadtklub in einem Süßwarenladen. Apoels Vereinsspitze träumte vom Anschluss ans Mutterland und solidarisierte sich im griechischen Bürgerkrieg mit den rechten Kräften. Daraufhin spalteten sich linksgerichtete Anhänger ab und gründeten 1948 Omonia Nikosia. Beide Fangruppen stehen sich bis heute in tiefer Abneigung gegenüber. 1960 spielte Apoel zum einzigen Mal in seiner Geschichte gegen den Abstieg – viele Spieler zogen lieber für die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Großbritannien ins Feld. Als die Türkei 1974 einmarschierte, waren viele Apoel-Anhänger im Widerstand aktiv. Und 1986 weigerte sich der Klub aus der nun geteilten Hauptstadt, gegen Besiktas Istanbul anzutreten. Es folgte eine zweijährige Europapokal-Sperre der Uefa.

Auch in heutigen Zeiten, in denen der griechische Süden und der türkische Norden über eine Wiedervereinigung reden, wird es nicht ruhiger. In der Fankurve sind bisweilen Hakenkreuze zu sehen, immer wieder gibt es Ausschreitungen.

Das alles wird derzeit jedoch überdeckt von dem Erfolg. „Das ist der größte Moment in der Geschichte unseres Klubs und der Karriere jedes Spielers“, sagt Mittelfeldspieler Gustavo Manduca auf der Klubhomepage. Kein Wunder, das einzige historische Resultat Apoels war bisher ein 1:16 gegen Sporting Lissabon 1964 – die höchste Niederlage der Europapokalgeschichte. Nun ist Nikosia ungeschlagen in der einzigen Champions-League-Gruppe, in der nur Landesmeister spielen. Der serbische Trainer Ivan Jovanovic, der Werner Lorant nicht unähnlich sieht, lässt erfolgreich Konterfußball spielen. „Das ist eine richtig große Sache für uns und ganz Zypern“, sagte er nach dem 2:1 gegen Porto, als ob er für die gesamte Insel spräche. Da das Spielerreservoir unter den 700 000 Einwohnern der südlichen Republik Zypern begrenzt ist, setzt Jovanovic auf ausländische Profis. Im Kader stehen allein fünf Brasilianer. Darunter auch Ailton: Der ist zwar nicht so korpulent wie sein Namensvetter aus der Bundesliga, aber hat international drei Tore erzielt, wie Cristiano Ronaldo oder Wayne Rooney. Ein weiterer Brasilianer ist Kaka. Der von Hertha BSC geliehene Verteidiger ist nur Ersatz, kann aber behaupten, sich auf Überraschungsteams spezialisiert zu haben: Letzte Saison spielte er noch beim Europa-League-Finalisten Sporting Braga.

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