Sport : Gefährlich glamourös

Monacos Formel-1-Strecke bleibt umstritten – Michael Schumacher erstmals nicht auf der Poleposition

Karin Sturm[Monte Carlo]

Es glitzert überall, Geld und Reichtum an jeder Ecke. Und wie jedes Jahr bekommen die einfachen Formel-1-Fans den Mund nicht zu, wenn sie zwischen den Luxusyachten im Hafen von Monaco spazieren gehen oder sich die Nase platt drücken vor der Super-Edel-Disco Jimmy’s, mit Preisen, die sich kaum ein Sterblicher leisten kann. Hierher nach Monaco sind am Samstag auch Brad Pitt und George Clooney aus dem nahen Cannes herübergekommen, wo die Filmfestspiele zu Ende gingen. Gestern schlenderten die Schauspieler durch die Boxengasse, ließen sich die Autos erklären und lösten beinahe eine Schlägerei aus zwischen Kamerateams, Fotografen und Leibwächtern.

Fast schien es so, als ob die Rennfahrer nur noch Statisten sind, dabei gilt die Strecke in Monaco als große Herausforderung, weil sie für die Fahrer auch ein Albtraum ist. Gerade deshalb ist sich Michael Schumacher, der hier bereits fünfmal siegte, sicher: „Monaco hat einfach mehr Prestige als die anderen Rennen, wenn man sieht, wer hier alles zuschaut.“

Besonders ist die Strecke aber nicht nur wegen des Glamours am Rande, sondern durch ihre Enge und die extreme Nähe der Leitplanken. Sie hat auch sehr viel Tradition. Hier Erfolg zu haben, hat einen Fahrer immer besonders ausgezeichnet, und das ist auch heute noch so. Bis jetzt hält Ayrton Senna den alleinigen Rekord mit sechs Siegen in Monaco, Schumacher will in diesem Jahr gleichziehen: Ob ihm das aber gelingt, ist fraglich. Nach dem Qualifying vom Samstag steht Schumacher erstmals in dieser Saison nicht in der ersten Startreihe, sondern auf Platz vier. Schnellster war der Italiener Jarno Trulli im Renault. Neben ihm startet der englische Pilot Jenson Button im BAR-Honda aus der ersten Reihe.

Ralf Schumacher ist kein so großer Monaco-Fan wie Bruder Michael. Er hat vor allem Sicherheitsbedenken: „Natürlich ist der Kurs interessant, und es hat aus Fahrerperspektive seinen Reiz, an den Leitplanken entlang mitten durch die Stadt zu rasen, aber es ist zu gefährlich.“

Ralf Schumacher warnt: „Man darf nicht verdrängen, wie hoch und weit zum Beispiel ein Reifen fliegen kann und wie nahe die Leute dran sind.“ Ein Zuschauer-Unfall – das ist die Horrorvision aller Fahrer, da steht Ralf Schumacher mit seiner Meinung nicht alleine. Genauso wenig wie mit der Feststellung, dass es halt schon problematisch sei, auf einer Strecke ein Rennen zu fahren, auf der die Überholmöglichkeiten praktisch null sind – selbst wenn man zwei bis drei Sekunden schneller ist.

Dafür kann das Rennen dramatisch werden: 1992 kam Nigel Mansell trotz neuer Reifen in den letzten sieben Runden einfach nicht an Ayrton Senna vorbei. Diesmal wird sich Ralf Schumacher nach dem Motorschaden vom Donnerstag und dem daraus resultierenden Absturz in der Startaufstellung mit diesem Problem beschäftigen müssen.

Dass man von Veranstalter-Seite aus das Möglichste versucht, die Bedingungen zu verbessern, zum Beispiel mit der in diesem Jahr völlig neuen Boxengasse, erkennt allerdings auch Ralf Schumacher an: „Das hat man auch alles toll gemacht mit den ganzen Umbauten, das ist ja auch alles gut und schön, aber das ändert natürlich nichts an den Auslaufzonen.“ Wer sich über die neue Boxengasse am meisten freut, sind die Mechaniker: „Für die ist das fantastisch, die Boxen sind zwar klein, aber kleine Boxen sind besser als gar keine“, sagt Teamchef Peter Sauber.

Sauber hat zu Monaco „so eine Art Hassliebe. Auf der einen Seite ist es ein Anachronismus, dass man hier überhaupt Autorennen fährt. Andererseits gehört die ganze Show, das Drumherum irgendwie dazu“. Und deshalb, meint Sauber, „fahren die meisten Teams gerne nach Monaco“.

Die Schlüsselfrage, ob die Formel 1 ein Rennen wie in Monaco braucht, beantwortet Sauber so: „Das kann ich nicht sagen, aber es ist auf jeden Fall sehr gut für die Formel 1. Natürlich besonders für Sponsoren und Gäste, denn Monaco ist ein guter Platz, um Leute einzuladen.“ Da stimmt ihm BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen zu: „Monaco ist sicher eine der Säulen der Formel 1, und ich bin absolut dafür, dass man diese Traditionsplätze im Kalender behält. Aber das darf kein Freibrief sein, stehen zu bleiben und die heutigen Standards für Sicherheit und Komfort zu ignorieren.“

Heute im Fernsehen:

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