Sport : Gefährliches Lob für den lieben Philipp

Stefan Hermanns

Berlin - Philipp Lahm ist ein Mensch, der von den Verlockungen der glitzernden Welt des Profifußballs bisher weitgehend verschont geblieben ist. Lahm hat anders als Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi den Hype um die so genannten jungen Wilden beim VfB Stuttgart genauso überstanden wie den frühen Aufstieg zum Nationalspieler, den Wechsel zum FC Bayern und die Last der Hoffnungen einer ganzen Fußballnation. Ein bisschen ist Lahm immer der liebe Philipp aus München-Gern geblieben, der sich 1990 nach der Schule die WM-Spiele angeschaut hat, die sein Großvater abends zuvor aufgenommen hatte. Jetzt, mit 22, spielt er selbst WM, und kaum ist Lahm erstmals zum Einsatz gekommen, muss man sich ernsthaft sorgen um ihn, vor allem aber um den Fortgang seiner Karriere. Philipp Lahm ist nach seinem Auftritt gegen Costa Rica von vielen gelobt worden. Leider auch von Diego Maradona.

„Das war eine Weltklasse-Leistung“, hat Maradona nach dem Eröffnungsspiel gesagt, in dem Lahm das erste Tor des Turniers erzielt hatte. „In dieser Form kann er einer der Top-Spieler der WM werden.“ Es mag wie eine besonders süße Auszeichnung klingen, wenn „der beste Fußballer aller Zeiten“ (alle Argentinier) respektive „der zweitbeste Fußballer aller Zeiten“ (alle Brasilianer) sich über einen Deutschen derart enthusiastisch äußert. Doch seit dem Ende seiner Karriere hat sich Maradona mit seinen Prognosen so treffsicher erwiesen wie Holländer beim Elfmeterschießen. Sogar einen gewissen Andres D’Alessandro soll er einmal als seinen legitimen Nachfolger geadelt haben.

„Schön, so was zu hören“, hat Lahm trotzdem darauf erwidert, und vermutlich kann er mit dem Lob besser umgehen als der frühere Wolfsburger D’Alessandro. Davon abgesehen aber ist es nicht besonders erstrebenswert, als der Superstar der WM gehandelt zu werden. Solche Vorhersagen sind selten eingetreten, Maradona selbst hat dies 1982 erfahren, als er vor allem durch seine Rote Karte im Spiel gegen Brasilien von sich reden machte.

Philipp Lahm wird schon wegen seiner Position als linker Außenverteidiger nicht immer so positiv auffallen wie gegen Costa Rica, als er sich immer wieder an der Offensive beteiligte und mit seiner Ruhe am Ball den Kontrapunkt zum hypernervösen Arne Friedrich auf der anderen Seite setzte. Lahm spielt klar und strukturiert, und sein vermeintlicher Nachteil, dass er von der linken Seite immer nach innen zieht, weil er Rechtsfüßer ist, erwies sich in der sechsten Minute als großer Vorteil. Lahm schlenzte den Ball genau dorthin, wo im costa-ricanischen Tor das Spinnengewebe hängt. „Das sind einfach Momente, auf die er stolz sein kann“, sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.

Natürlich wurde Lahm anschließend gefragt, ob er denn als Rechtsfuß nicht auch den Posten des rechten Außenverteidigers übernehmen könne. „Ich habe schon länger nicht mehr da gespielt“, hat er geantwortet. „Das ist überhaupt kein Thema.“ Arne Friedrich darf noch einmal durchatmen.

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