Sport : Gefahr aus dem Rückraum Handballtrainer Brand warnt vor den Griechen

Erik Eggers

Wenn Heiner Brand in diesen Tagen vom Alltag erzählt, dann klingt das nur beim ersten Hinhören nach entspannter Freizeitbeschäftigung. „Ich bin ja schon wieder in der Phase“, sagt der Bundestrainer, „in der ich stundenlang Videos anschaue.“ Um die Gruppengegner seiner Mannschaft noch einmal zu studieren, bevor das olympische Handballturnier heute beginnt. Keine aufregenden Science-Fictions erwarten ihn also, sondern die Geheimnisse des Handballerfolges: Angriffskombinationen, Abwehrformationen, spezielle Fähigkeiten der besten gegnerischen Spieler. Das ist der trockene Stoff, der ihn und Kotrainer Frank Löhr derzeit beschäftigt. Da bleibe leider kaum Zeit für viele Kontakte im Olympischen Dorf, bedauert Brand. Dass sich daran in Athen nichts ändern wird, hat er längst hingenommen: „Ich freue mich schon, mal als Tourist nach Olympia zu fahren.“

Zu einer Urlaubsveranstaltung, davon ist der 52-Jährige überzeugt, gerät auch der heutige Auftakt gegen Gastgeber Griechenland (15.30 Uhr) für sein Team nicht. Es ist zwar die theoretisch einfachste Angelegenheit des Turniers, wenn der amtierende Europameister gegen ein Land antritt, das sein Debüt feiert bei einem Großereignis. Noch nie haben die griechischen Handballer bei Olympia mitgespielt. „Aber die Griechen“, warnt Brand, „haben doch große Fortschritte gemacht im letzten Jahr.“ Seine Mannschaft werde „gleich im ersten Spiel stark gefordert.“ Sätze, die zu den Stereotypen der Sportsprache gehören. Brand will verhindern, dass seine Spieler den unbekannten Außenseiter unterschätzen.

Dabei sind die Mahnungen keineswegs unberechtigt. Die Griechen verfügen mit Spyros Balomenos und Savvas Karypidis über zwei gefährliche Spieler im Rückraum, und immerhin spielen zwei Akteure (Balomenos und Voglis) in der Ersten schwedischen Liga. Hinzu kommt die große Erfahrung von Nikos Grammatikos (155 Länderspiele), der als Mittelspieler für Fredenbeck, Schwerin und Düsseldorf in der Bundesliga spielte. Der systematische Aufbau des schwedischen Trainers Ulf Schefvert hat sich sportlich bereits ausgezahlt: Beim vorolympischen Turnier im März besiegten die Griechen die weitaus höher eingeschätzten Ägypter 32:25, und bei der Qualifikation für die WM 2005 in Tunesien haben sie sich gegen die Schweiz durchgesetzt.

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