Sport : Gefallene Helden

Matthias B. Krause

Einst standen sie Seite an Seite auf dem Titelbild von „Sports Illustrated“ und verkündeten den „Kampf des Jahrhunderts“. Sie hielten Wort, die Ringschlacht zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali am 8. März 1971 im Madison Square Garden ging als eine der größten in die Boxgeschichte ein; verglichen damit war Wladimir Klitschkos Auftritt am Samstag an gleicher Stelle nur ein müder Abgesang auf die Branche. Frazier gewann nach Punkten, nur um dann George Foreman zu unterliegen. Zweimal noch trafen Frazier und Ali aufeinander, wieder in New York, wo Ali nach Punkten gewann, und im „Thrilla in Manila“, in dem er sich „dem Tod so nahe wie nie zuvor“ fühlte – doch Fraziers Ecke warf das Handtuch.

Heute ist der an Parkinson erkrankte Ali eine nationale Ikone. Foreman verdient Millionen, weil er schlau genug war, seine Vorliebe für Hamburger mit einer Werbekampagne für BarbecueGrills zu vergolden. Frazier sitzt in einem Hinterzimmer seines Box-Gyms in Philadelphia, verarmt, krank, verbittert. Mit Großzügigkeit, Naivität und schlechten Geschäften brachte er seine Millionen durch. Mit seinem Hass auf Ali, der ihn einen „Gorilla“ schimpfte, verspielte er die Zuneigung des Sportvolkes.

Bittere Verlierer mögen sie hier nicht. Es hat gedauert, bis sie hinter Alis Großmäuligkeit seine Genialität entdeckten und ihm seinen politischen Aktivismus verziehen. Frazier kam nie in den Genuss dieser Großzügigkeit. Und so wird der 62-Jährige bald wieder seine Handschuhe schnüren und gegen den Bürgermeister von Memphis antreten. Frazier sagt: „Er muss einen Todeswunsch haben.“

An dieser Stelle erklären die US-Korrespondenten und Sebastian Moll regelmäßig Phänomene aus dem amerikanischen Sport.

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