Sport : Gefasst erträgt Polen die zweite Niederlage der WM

Thomas Roser

Warschau - Die plötzliche Stille im Warschauer Lolek-Biergarten sollte nur zwei Minuten währen. „Wir danken euch!“, riefen hunderte rot-weiß gekleideter Fans, als sie ihre erneut gescheiterten Hoffnungsträger sahen, wie sie auf der Großleinwand mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen. „Warum haben sie uns das Unentschieden nicht gegönnt?“, fragte Soziologiestudent Krzysztof, „die Deutschen hätten den Sieg doch gar nicht gebraucht!“ Er konnte es kaum fassen.

„Polen auf dem Weg nach Hause“, titelte am zeitungsfreien Fronleichnam die Website des „Superexpress“. „Es fehlte nur eine Sekunde!“, trauerte die „Gazeta Wyborcza“. „Viel Herz“ hätten Polens Kicker gezeigt, schrieb das Fußballfachblatt „Pilka nozna“. Bestürzt, aber gefasst – und auch mit Stolz – haben Polens Fußballfans auf die neuerliche Niederlage reagiert. Mit einer ähnlich couragierten Leistung wie gegen Deutschland hätte Polen die fatale Auftaktschlappe gegen Ekuador vermeiden können, klagten in den Fernsehstudios die Experten. Nach dem Sieg Ekuadors gegen Costa Rica wird die WM für Polen nach der Gruppenphase vorbei sein.

Mit Kritik an dem vor der Ablösung stehenden Nationalcoach Pawel Janas wurde bei den TV-Männerrunden erneut nicht gespart: Zu spät habe er in der zweiten Hälfte gewechselt. Bis tief in die Nacht diskutierten die Experten bereits über mögliche Nachfolger für Janas. Die Gäste im Warschauer Lolek feierten derweil auch ohne polnischen Torerfolg unverdrossen ihr Team – und sich selbst. „Noch vier Jahre, noch vier Jahre – und Polen wird Weltmeister.“

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