Sport : Gefechte im Schatten

Die deutsche Boxbranche ist aufgewühlt: Wechseln die Klitschkos die Seiten?

Michael Rosentritt

Berlin - Nachdem am vergangenen Wochenende zwei deutsche Boxer ihre Weltmeistertitel zum Teil umstritten verloren haben, wird hinter den Kulissen an neuen Projekten gebastelt. So ist durchaus vorstellbar, dass Witali und Wladimir Klitschko zum Veranstalter Wilfried Sauerland wechseln. „Wenn es sich für beide Seiten lohnt, warum nicht? Beide sind sympathisch“, sagte Sauerland.

Am Wochenende hatten Sauerlands Boxer Markus Beyer als auch Felix Sturm ihre Titel verloren. Neue Stars sind nicht in Sicht. Supermittelgewichtler Beyer unterlag dem Italiener Cristian Sanavia und verlor seinen Titel nach Version des WBC. Sturm, der bei Sauerlands deutschem Konkurrenten Klaus-Peter Kohl unter Vertrag steht, unterlag in Las Vegas US-Superstar Oscar de la Hoya und verlor seinen WBO-Titel im Mittelgewicht. In beiden Fällen streben die Promoter Rückkämpfe an. Am wahrscheinlichsten ist der von Markus Beyer. „Markus hat viel falsch gemacht in diesem Kampf, aber der Delegierte des WBC forderte ein Rematch“, sagt Hagen Doering, der Technische Leiter der Boxveranstaltung. „Auch die italienische Seite will das.“ Vor allem aber habe der als psychisch labil geltende Beyer erklärt, dass „er so nicht abtreten werde“, sagt Doering. „Er muss sich aber neu sortieren.“

Ein glattes Fehlurteil wurde in Las Vegas gefällt. Sturms Promoter Kohl verstand die Welt nicht mehr. 234 Treffer Sturms standen 188 von de la Hoya gegenüber. „Es war ein krasses Fehlurteil“, sagte Emanuel Steward, der zuletzt Wladimir Klitschko betreut hatte.

Um die Klitschko-Brüder wird jetzt gekämpft. Die beiden Schwergewichtler hatten Mitte Mai ihren Vertrag mit Kohls Universum Box-Promotion schriftlich gekündigt. Derzeit schwebt ein Rechtsstreit über das Vertragsende. Das Landgericht Hamburg hatte Mitte April festgestellt, dass die vertragliche Bindung nicht, wie von den Klitschkos behauptet, am 30. April endet. Nach Auffassung von Kohl verlängert sich die Laufzeit um die jeweiligen Verletzungspausen der Boxer. Verärgert reagierten die Klitschkos über eine zuletzt ausgesprochene Schutzsperre von sechs Monaten für Wladimir Klitschko. Der Jüngere der Klitschkos war im April zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Monaten schwer k.o. gegangen. „Üblich sind sechs Wochen“, sagte ein verärgerter Klitschko.

Die Klitschkos wollen aber weiterhin in Deutschland boxen. Möglicher Zeitpunkt für Weltmeister Witali ist ein Termin nach den Olympischen Spielen. Sollte die Partnerschaft mit Kohl enden, steigen Sauerlands Chancen, bald die Klitschko-Kämpfe zu veranstalten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben