Sport : Gefeiert wird später

Die Basketballer von Alba Berlin schlagen Gießen mit 85:67 und wollen heute gegen Köln den Pokal holen

Helen Ruwald

Berlin. Die Fans machten sich Mut mit trotzigen Sprüchen. „Jetzt erst recht“ stand auf den T-Shirts der Basketballfans von Avitos Gießen während des Pokalhalbfinals in der Max-Schmeling-Halle. Die Mannschaft hatte als Tabellenzehnter den Einzug in die Play-offs verpasst. Kein Grund, ohne Selbstvertrauen gegen Titelverteidiger Alba anzutreten: Schließlich hatte Gießen von den letzten zwölf Liga- und Pokalspielen zehn gewonnen und stellt mit dem während der Saison verpflichteten BJ Mc Kie den Topscorer der Liga. Doch mit dem Pokalsieg werden sich Spieler und Fans nicht trösten können: Vor 7091 Zuschauern gewann Alba das Halbfinale nach starker Leistung 85:67 (38:36) und trifft heute im Endspiel auf Rhein Energie Cologne (14.55 Uhr, Schmeling-Halle, live im DSF).

Bei Alba fehlte Nationalspieler Marko Pesic mit gebrochener Hand. Center Jovo Stanojevic, der wegen einer Oberschenkelzerrrung tagelang nicht hatte trainieren können, spielte nur siebeneinhalb Minuten. Berlins bestem Werfer der Saison war anzumerken, dass er nicht fit war. Er kam auf vier Punkte und drei Ballverluste. „Auf dem Spielfeld hat er nicht viel geholfen, aber dass er es versucht hat, war wichtig für die Mannschaft“, sagte Trainer Emir Mutapcic. Wenn einer, der nicht richtig springen kann, aufläuft, ist das ein Signal für die gesunden Kollegen, selbst noch ein bisschen mehr zu tun.

Das taten die Berliner tatsächlich. In einem packenden Spiel zogen die aggressiven Gastgeber schnell auf 15:6 und 29:20 davon, machten es sich aber unnötig schwer: Sie ließen Gießen immer wieder herankommen. Mit 16:6-Punkten drehten die Hessen das Spiel und gingen kurz vor der Pause 36:35 in Führung. Vor allem dank McKie, der 14 seiner 18 Punkte in der ersten Halbzeit machte. „Wir haben uns in der ersten Halbzeit elf Ballverluste geleistet“, mäkelte Mutapcic später Das sagte er wohl in der Kabine auch seiner Mannschaft: im zweiten Durchgang hielt die Statistik nur noch einen Ballverlust fest.

„Wir sind das bessere Team, das haben wir nach der Pause bewiesen“, sagte Albas Vladimir Petrovic. DeJuan Collins und Mithat Demirel stoppten McKie – und damit Gießen. Gießens Bester war nun das Maskottchen, der Tiger: Er machte in den Auszeiten auf Stelzen Spagat. Die Spieler waren zu keinen Höchstleistungen mehr fähig, Berlin baute den Vorsprung immer weiter aus. Die besten Werfer waren Quadre Lollis (21 Punkte), Collins (15 Punkte) und Stefano Garris (15).

Das Spiel lief noch, da saß der verletzte Stanojevic lachend auf der Bank, Marko Pesic klatschte, so gut es sich mit einem Gipsarm klatschen lässt, und die Fans feierten schon den Einzug ins Finale. Die, die den Sieg herausgespielt hatten, zeigten später kaum Emotionen und verschwanden schnell in der Kabine. Schließlich war es nur das Halbfinale gewesen. Auch die Reihen der Gießener Fans lichteten sich schnell. Ein trotziges „Jetzt erst recht“ hilft eben nicht immer.

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