Sport : Gefestigte Defensive

Italien hat das System von HSV-Trainer Doll geprägt

Stefan Hermanns

Das Bild, das in der Öffentlichkeit von Thomas Doll existiert, ist kein falsches Bild; es ist nur nicht vollständig. Mag sein, dass der Trainer des Hamburger SV gelegentlich zu außergewöhnlichen Tricks greift, wie im Herbst, ganz am Anfang seiner Zeit als Profitrainer beim HSV. Weil die Mannschaft auswärts eklatant schlecht spielte, hat er beim Training in der AOL-Arena über Lautsprecher die feindliche Atmosphäre auf fremden Plätzen simulieren lassen. Das folgende Spiel bei Borussia Dortmund gewannen die Hamburger 2:0.

Doch solche Psychotricks sind nicht alles, was Doll kann, sondern nur Teil der peniblen Vorbereitung, die er in seinem Job für notwendig erachtet. Das hat Doll mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann gemein, der sich auch mit vermeintlichen Kleinigkeiten abgibt, weil Kleinigkeiten im modernen Fußball manchmal den Unterschied ausmachen können.

Es stimmt auch nicht, dass der HSV seit Doll nur noch ungebremst stürmt. „Wir spielen nicht nur Hurra-Fußball“, sagt der 38-Jährige. Mit seiner Mannschaft mache er sich auch Gedanken über ein sinnvolles Abwehrverhalten. Mit Erfolg. In den 14 Spielen unter seiner Verantwortung haben die Hamburger nur 15 Gegentore kassiert. „Damit kann man ganz gut leben“, findet Doll. Trotzdem: Generell ist es so, dass der ehemalige Stürmer von seinen Spielern „tolle Aktionen sehen“ will und mutigen Fußball erwartet. Das bedeutet, dass die Bälle schnell in die Tiefe gespielt und nicht endlos im Mittelfeld hin- und hergeschoben werden.

Im Defensivverhalten ist vor allem der Einfluss des italienischen Fußballs auf den Trainer zu spüren, das taktisch gute und kompakte Verhalten der gesamten Mannschaft. Doll hat selbst viele Jahre in Italien gespielt. Von Zdenek Zeman, seinem Trainer bei Lazio Rom, hat er dabei nach eigener Aussage in taktischer Hinsicht am meisten gelernt. Der Tscheche hat im Training Laufwege einstudiert, manchmal auch ohne Ball.

Doll sagt, er werde das auch wieder machen, wenn das Wetter besser wird. Es sei nicht gut für die Gesundheit der Spieler, wenn sie zu lange in der Kälte rumstehen. Thomas Doll ist eben Perfektionist.

Thomas Doll ,

gab am 23. Oktober 2004 seinen Einstand als Trainer der HSV-Profis. Unter seiner Führung holten die Hamburger seither in insgesamt 14 Spielen 31 Punkte.

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