• Gefühltes Spitzenspiel gegen Bayern München: Borussia Dortmund hat das perfekte Gegengift

Gefühltes Spitzenspiel gegen Bayern München : Borussia Dortmund hat das perfekte Gegengift

Borussia Dortmund will den FC Bayern wie in der Vergangenheit auch heute (18.30 Uhr) mit schnellem Umschaltspiel irritieren. Und so übermächtig die Münchner oft wirken, sie sind weiterhin anfällig gegen das ursprünglich Dortmund-typische Pressing. Eine Analyse.

Constantin Eckner
Enge Sache. Philipp Lahm (r.) und Dortmunds Henrich Mchitarjan.
Enge Sache. Philipp Lahm (r.) und Dortmunds Henrich Mchitarjan.Foto: Imago

Wenn Borussia Dortmund am Samstag gegen den FC Bayern antritt, sind die Rollen klar verteilt. Auf der einen Seite der souveräne Bundesliga-Tabellenführer, auf der anderen ein BVB, der in dieser Saison lange auf einem Abstiegsrang lag. Trotzdem sind die Dortmunder in diesem Spiel nicht chancenlos, zumal vor eigenem Publikum. Zudem haben die Bayern vor zwei Wochen gegen Mönchengladbach ihre erste Heimniederlage kassiert. Die Borussia spielte dabei mit einer Intensität und Zielstrebigkeit, die an den BVB der vergangenen Jahre erinnerte.

Natürlich war der Führungstreffer der Gladbacher durch den Fehler von Manuel Neuer begünstigt, dennoch war der Sieg von Lucien Favres Mannschaft kein Zufall. Gladbach verteidigte gegen die Bayern hochkonzentriert. Stets verschoben sie zum Ballführenden, ohne Lücken im Spielfeldzentrum anzubieten. Die Münchner wussten sich nur durch Flankenläufe zu helfen. Insgesamt 26 Hereingaben schlugen sie in den gegnerischen Strafraum, wobei dadurch lediglich vier Torchancen erarbeitet wurden. Gerade für Guardiolas Mannschaft ist es stets ein schlechtes Zeichen, wenn sie anfängt, recht unkontrolliert zu flanken.

Mit Arjen Robben und Franck Ribéry fehlen München zwei wichtige Akteure

Im Gegenzug konterte Gladbach mit hoher Präzision und erspielte sich einige gefährliche Möglichkeiten. Dieser Auftritt erinnerte zumindest in einigen Facetten an Borussia Dortmunds Siege gegen den FC Bayern. Die Westfalen pressten seinerzeit sicherlich höher als Gladbach, zielten aber genauso darauf ab, dass die Bayern mit ihrer Offensive nicht in die gefährlichen Zentralräume gelangten.

Und so übermächtig die Münchner oft wirken, sie sind weiterhin anfällig gegen das ursprünglich Dortmund-typische Pressing. Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger harmonieren im Zentrum nicht. Beide Strategen bräuchten eigentlich als jeweils einzelne Sechser noch einen dynamischen Partner. David Alaba übernahm des Öfteren diese Rolle. Doch der Österreicher zog sich bei einem Länderspiel vor wenigen Tagen eine Knieverletzung zu. Somit könnte die Rückkehr von Philipp Lahm umso wichtiger werden. Denn auch der 31-Jährige kann neben Schweinsteiger oder Alonso für Verbindungen im Mittelfeld sorgen und die Bayern weniger ausrechenbar machen.

Mit Arjen Robben und Franck Ribéry fehlen dem Tabellenführer zudem im Moment jene Akteure, die über Einzelaktionen fernab aller taktischen Probleme für das eine oder andere Tor sorgen können. Für ihre Offensivkollegen Robert Lewandowski, Mario Götze und Thomas Müller ist indes die passende Einbindung ins Angriffsspiel enorm wichtig. Andernfalls bleiben sie zuweilen wirkungslos.

Wenngleich der BVB das nahezu perfekte Gegengift zu Bayern hat, so waren die Dortmunder in dieser Spielzeit oft nur ein Schatten ihrer selbst. Jürgen Klopp wird des Öfteren dafür kritisiert, dass er keinen Alternativplan hätte. In dieser Saison funktionierte aber auch Plan A viel zu selten. Pressingfallen wurden vorhersehbar und im Aufbau- sowie Umschaltspiel passte die Raumaufteilung nicht immer. Dazu kamen Verletzungen, Formschwächen und individuelle Aussetzer.

Doch gegen Bayern zeigten die Borussen in der Hinrunde trotzdem eines ihrer besten Spiele dieser Saison. Statt des standardmäßigen 4-2-3-1 probierte es Klopp mit einer Mittelfeldraute im 4-3-1-2. Vorn liefen die beiden Stürmer Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang an, dahinter gab es klare Manndeckungen gegen Bayerns Mittelfeldakteure. Shinji Kagawa verfolgte beispielsweise Xabi Alonso auf Schritt und Tritt. Erst aufgrund nachlassender Kräfte wurde die BVB-Defensive offener. Bayern gewann am Ende 2:1.

Doch wenn die Dortmunder mit ihrem aggressiven Pressing frühzeitig Zugriff auf den Spielaufbau der Münchner bekommen oder es schaffen, die gegnerischen Angriffe auf die Außenbahnen zu lenken, haben sie zumindest die Chance, lange ohne Gegentor zu bleiben. Rasante Tempogegenstöße bleiben auch in dieser durchwachsenen Saison eine Waffe, die Pep Guardiola respektieren wird. Das verdeutlichte nicht zuletzt die Niederlage gegen die ebenfalls konterstarken Gladbacher.

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