Sport : Gegen alle Tradition

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Stefan Hermanns über neue Regeln

für den Tennissport

Horst Klosterkemper hat gestern den ersten Tag an seinem neuen Arbeitsplatz gehabt. Er ist jetzt Europachef der Tennisprofi-Vereinigung ATP, und Klosterkemper, ein geachteter Mann in der Szene, hat sich zu seinem Einstand nicht lange mit beschwichtigenden Worten aufgehalten. Er hat nicht gesäuselt, dass eigentlich alles gut sei im internationalen Tennis. Klosterkemper hat genau das Gegenteil gesagt: dass man im Tennis nicht in Traditionen verharren dürfe, dass Veränderungen dringend nötig seien. Das ist fast so, als verlange der neue britische Premier am Tag seiner Amtseinführung ein bisschen mehr Lockerheit von der englischen Königin.

Klosterkempers Vorstoß besitzt natürlich einen ernsten Hintergrund. Die Attraktivität der Sportart hat in erschreckendem Maße abgenommen, und nach Klosterkempers Diagnose sind daran nicht die Einheitsspieler schuld, sondern – die Regeln, die das Spiel fürs Fernsehen zu langatmig gemacht haben. Neu ist das nicht. Tennis wäre nicht die erste Sportart, die sich den veränderten Sehgewohnheiten anpasste. Im Hockey wurde die Abseitsregel abgeschafft, weil niemand sie kapiert hat; im Tischtennis hat man die Sätze verkürzt und im Volleyball die Zählweise verändert. Selbst der Fußball, Publikumssport Nummer eins, hat sich im Lauf der Jahre vorsichtig evolutioniert.

Klosterkemper will die Sätze von sechs auf vier Spiele verkürzen und danach gleich zum Tiebreak schreiten. Konsequent zu Ende gedacht ist das noch nicht. Man sollte die Sätze auf ein Spiel verkürzen. Dann könnte man sie bequem zwischen zwei Werbespots zeigen.

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