Sport : Gegen alle Widerstände

Dieter Hoeneß hat sich bei Hertha BSC eine sichere Machtposition erarbeitet – gerät sie nun in Gefahr?

Stefan Hermanns

Berlin. Der 50. Geburtstag ist im Leben eines Menschen eine wichtige Zäsur. In der Regel hat der Jubilar dann den Höhepunkt seiner beruflichen Karriere erreicht, und ein solcher Zeitpunkt ist eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, wie es geworden ist, wie es ist, und wie es noch werden soll. Dieter Hoeneß ist Anfang des Jahres 50 geworden, und bei dieser Gelegenheit hat der Vorsitzende der Geschäftsführung von Hertha BSC seinen Geburtstagsgästen verkündet, dass „die Zeit der One-Man-Show“ bei Hertha jetzt vorbei sei. Wenig später wurde die Festgesellschaft ins Freie gebeten, um einem großen Feuerwerk beizuwohnen. Eine gute halbe Stunde dauerte das Schauspiel am Himmel über dem Schlossplatz, und Spötter behaupteten anschließend, ein solches pyrotechnisches Spektakel habe Berlin seit dem 75. Geburtstag von Erich Honecker nicht mehr erlebt.

Seit sieben Jahren arbeitet Dieter Hoeneß für Hertha BSC. Er hat 1996 als eine Art Frühstücksdirektor beim damaligen Zweitligisten angefangen, trug den offiziellen Titel Vizepräsident, wurde später Manager mit operativen Befugnissen und leitet heute als Vorsitzender der Geschäftsführung der Kommanditgesellschaft mit beschränkter Haftung auf Aktien die Geschicke des Klubs. Herthas Organisationsstruktur ist so übersichtlich wie ein Burda-Moden-Schnittmuster, aber die Öffentlichkeit interessiert sich ohnehin nicht für komplizierte Organigramme: Für sie ist Hertha Hoeneß. Und umgekehrt.

In diesen Wochen, in denen für den Verein und seinen Macher einiges auf dem Spiel steht, wird das wieder verstärkt so empfunden. Hoeneß hat sich mit seiner ganzen Macht dafür eingesetzt, dass Huub Stevens Trainer des Fußball-Bundesligisten bleiben darf. Als fast die ganze Stadt, die meisten Medien und auch Teile der vergleichsweise machtlosen Vereinsgremien gegen den Niederländer waren, hat Hoeneß einen Abend lang nachgedacht und dann eine Lösung präsentiert, die er seitdem als Vereinbarung mit Stevens verkauft. In der Öffentlichkeit aber wird diese Abmachung vor allem als Ultimatum an den Trainer wahrgenommen.

Die Stimmung scheint zu kippen. Die „Bild“-Zeitung hat das Ultimatum jetzt als „menschenverachtend“ bezeichnet, was Rupert Scholz, den Aufsichtsratsvorsitzenden, zu der Aussage bewogen hat: „Das ist hier wie in Schilda.“ Hoeneß weist darauf hin, dass die Lösung „nicht gegen Huub Stevens gerichtet“ war. Die einzige andere Möglichkeit wäre schließlich gewesen, ihn gleich zu entlassen. Hoeneß hat dies verhindert, und das hat noch einmal gezeigt, welche Macht und welchen Einfluss der Manager im Verein Hertha BSC besitzt. Nicht alle Mitglieder des Präsidiums, des Aufsichtsrats und des Beteiligungsausschusses waren von der Lösung so begeistert, wie es anschließend dem Publikum übermittelt wurde. Selbst Hoeneß sagt inzwischen, dass es in manchen Fällen „vielleicht noch leise Zweifel“ und „leichte Nuancen in der Beurteilung“ gegeben hat.

Trotz der einstimmig getroffenen Entscheidung ist der Eindruck entstanden, dass der Trainer vor allem von Hoeneß gestützt wird. Manche halten diese Treue für persönlich motiviert: Hoeneß hat Stevens geholt, und jetzt will er nicht einsehen, dass die Verpflichtung ein Fehler war. In diese Argumentation passt es dann auch, dass der Manager am Samstag eine Abkehr von der ultimativen Vereinbarung angedeutet hat. Doch schon die leichte Andeutung hat Widerstand hervorgerufen. Rupert Scholz ließ am Montag mitteilen, am vereinbarten Verfahren „hat sich nichts geändert“. Er widersprach jedoch dem Eindruck, dass es Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Führungsgremien gegeben habe. Auch Hoeneß sagt: „Zunächst mal gilt die Vereinbarung. Dazu stehe ich.“

Der Manager weiß, dass er durch die Causa Stevens selbst in die Kritik geraten ist. „In einer Krise ist das doch normal“, sagt er. In der vergangenen Woche wirkte der Manager angeschlagen, ungewohnt fahrig und manchmal dünnhäutig. Er hat genauso schlecht geschlafen wie Huub Stevens: „Das Unterbewusstsein arbeitet nachts.“

Manche sehen sogar Hoeneß’ Machtposition in Gefahr. Aber wer sollte ihm gefährlich werden? Präsident Bernd Schiphorst, über den Hoeneß laut „Welt am Sonntag“ einmal gesagt hat: „Was hat der denn überhaupt noch zu sagen“? Schiphorst ist ohne Einfluss aufs Tagesgeschäft, aber er hat die Entscheidung in der Trainerfrage genauso mitgetragen wie der Aufsichtsrat. „Ich hätte auch von meinem Recht Gebrauch machen können, alleine zu entscheiden“, sagt Dieter Hoeneß. Aber bei Hertha sei es längst „Gepflogenheit geworden, im Konsens zu entscheiden – auch wenn viele gerne daran kratzen möchten“.

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