Gegen Borussia Dortmund : Hertha BSC: Nix mit Fünferkette

Zu Beginn der Saison trat Hertha BSC noch sehr, sehr defensiv gegen Borussia Dortmund an – beim Wiedersehen am Samstag will Berlins Trainer Pal Dardai seine Mannschaft gegen den Tabellennachbarn offensiver aufstellen.

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Hängende Köpfe im Hinspiel.
Hängende Köpfe im Hinspiel.Foto: Imago

Zu einem ordentlichen Jahrestag gehört immer auch der Blick zurück, selbst wenn es sich erstmal nur um das kleinstmögliche Jubiläum handelt, das einjährige. Deshalb hat Pal Dardai dieser Tage noch einmal zusammengefasst, was er in den letzten zwölf Monaten so alles gelernt hat als Trainer von Hertha BSC, was sich seither für ihn geändert hat als Verantwortlicher der Profi-Mannschaft. Neben der Erkenntnis, dass Dardai sein Mittagessen nicht mehr wie in seiner Zeit als Nachwuchstrainer mit der Familie einnehmen kann, ist vor allem eine Gewissheit überliefert. „Im Profifußball gibt es kein Lob, wenn man keine Punkte holt.“ Ausnahmen bestätigen die Regel.

So wie vor knapp einem halben Jahr, am Abend des 30. August und dem darauffolgenden Morgen. Da piepte und klingelte und vibrierte das Handy von Rainer Widmayer fast pausenlos. „Ich habe so viele Anrufe und SMS von Kollegen bekommen, die unseren taktischen Plan und unseren Gesamtauftritt gelobt haben“, hat Herthas Co-Trainer später erzählt. Dabei hatten die Berliner am dritten Bundesliga-Spieltag, beim 1:3 in Dortmund, gerade ihre erste Saisonniederlage kassiert. Unabhängig vom Resultat hatte das Spiel aber sehr wohl eine positive Seite. Es zeigte, dass Herthas neuformiertes Team durchaus mithalten kann mit den ganz Großen der Bundesliga, selbst mit diesen Dortmundern, die so stürmisch in die Saison gestartet waren, mit 27:5 Toren in sieben Pflichtspielen. Das 3:1, erzielt von Ex-Hertha-Stürmer Adrian Ramos, fiel damals erst in der Nachspielzeit.

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Am Samstag treffen sich nun beide Mannschaften zum Rückspiel im ausverkauften Olympiastadion, es ist das Spitzenspiel des 20. Spieltags, Zweiter gegen Dritter, und eines ist jetzt schon klar: So zurückhaltend und defensiv wie in der Hinrunde wird Hertha die Sache diesmal nicht angehen. Seinerzeit hatten sich Dardai und Widmayer darauf verständigt, der Dortmunder Offensivpower mit einer defensiven Fünferkette zu begegnen. Otto Rehhagel hätte seine Freude daran gehabt. „Wenn so viele Zuschauer kommen, wollen wir auch offensiv sein, nix mit Fünferkette“, sagt Dardai nun, „die Leute sollen ja wiederkommen.“ Ein Ausdruck des gesteigerten Selbstbewusstseins, das sich die Berliner mit einer kaum für möglich gehaltenen Hinrunde erarbeitet haben.

Rückt Alexander Baumjohann ins Team?

Wie das in der Praxis aussehen wird, steht allerdings auf einem anderen Blatt. In der ersten Saison nach der Ära Jürgen Klopp haben auch die Dortmunder ihre Spielweise extrem modifiziert. Sie setzen nicht mehr auf das Konzept der Balleroberung, gefolgt von schnellem Umkehrspiel, sondern vielmehr auf Punkte, die auch Dardai in Berlin einfordert und umgesetzt hat: Ballbesitz, Spielkontrolle, hohe Passsicherheit. Dabei profitieren sie nicht zuletzt von ihrer individuellen Klasse, die sich auch in den Statistiken niederschlägt: Fast alle Dortmunder Spieler laufen weniger als noch in den letzten Jahren, dafür ist die Kilometerleistung beim Gegner gestiegen. Der BVB lässt laufen, „und das machen sie richtig gut, es ist eben eine Topmannschaft“, sagt Dardai. „Trotzdem haben wir eine minimale Chance zu gewinnen“, glaubt der Ungar.

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Ärgerlich und womöglich nachteilig für die Statik im Team ist aus Berliner Sicht der Ausfall von Per Skjelbred. Der Norweger hat beim 3:3 in Bremen seine fünfte Gelbe Karte gesehen und wird am Samstag zuschauen müssen. Wen Dardai stattdessen aufbietet, wollte er zwar nicht verraten, aber ein paar Alternativen stehen ihm zur Verfügung. Eine könnte Alexander Baumjohann sein. Der 29-Jährige ist allerdings längst nicht so lauffreudig und zweikampfstark wie Skjelbred und damit vielleicht nicht die ideale Besetzung, gerade gegen eine spielstarke Mannschaft wie Dortmund. Tolga Cigerci hingegen wäre ein Eins-zu-eins-Wechsel, er könnte Skjelbreds Aufgaben originalgetreu übernehmen. Die dritte – zugegeben unwahrscheinlichste – Option ist Niklas Stark, der schon in Nürnberg auf der Sechs gespielt hat und zuletzt in den Schlussminuten auch gegen Augsburg.

„Wir finden eine Lösung“, sagt Dardai, der aber auch vor zu hohen Erwartungen warnt. „Es reicht mir, wenn wir gegen Dortmund ein gutes Spiel machen.“ Allerdings würde er sich diesmal wohl noch mehr über Punkte freuen als über weiteres Lob im Falle einer Niederlage.

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