Gegen Brasilien : Gelingt den Amerikanern die Überraschung?

Die amerikanischen Fußballer gehen mit neuem Selbstbewusstsein ins Finale des Confed-Cups. In diesem Turnier hat es schon zu viele Überraschungen gegeben, und für die Amerikaner hat sich in den vergangenen zwei Wochen viel verändert.

Kai Kupferschmidt[Johannesburg]
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Auf den Kopf gestellt. Charlie Davies und seine Amerikaner überraschen. Foto: dpa

Eigentlich scheint ja alles klar. Im Finale des Confed-Cups werden am Sonntagabend in Johannesburg Brasilien und die USA aufeinandertreffen (20.30 Uhr, live im DSF), der fünffache Weltmeister gegen eine Mannschaft, die noch nie ein internationales Turnier gewonnen hat. Die beiden Teams hatten bereits am 18. Juni in Pretoria gegeneinander gespielt, und die Brasilianer siegten ohne große Anstrengungen 3:0. Es war die schlechteste Darbietung der Amerikaner in diesem Turnier, und ginge man nur nach diesem Spiel, könnten die Brasilianer sich zurücklehnen. Das Team würde nicht nur seinen Titel verteidigen. Es wäre nach 1997 und 2005 der dritte Confed-Cup für die Brasilianer – und damit ein Rekord.

Aber in diesem Turnier hat es schon zu viele Überraschungen gegeben, und für die Amerikaner hat sich in den vergangenen zwei Wochen viel verändert. Nach dem 3:0 gegen den Afrikameister Ägypten und dem 2:0 gegen den Europameister und Rekordjäger Spanien hat das amerikanische Team ein neues Selbstbewusstsein entdeckt. „Die Brasilianer mögen denken, dass es leicht wird für sie, aber wir sind jetzt in einer viel besseren Position“, sagt US-Stürmer Landon Donovan. Das „Wunder auf dem Rasen“ hat die amerikanische Presse den Überraschungserfolg gegen die Spanier genannt, in Anlehnung an das „Wunder auf dem Eis“, den Sieg des Eishockeyteams bei den Olympischen Spielen 1980 gegen die Sowjetunion.

Der Einzug ins Halbfinale wurde von manchen Kommentatoren noch auf die internen Probleme des ägyptischen Gegners zurückgeführt. Die Ägypter waren von Vorwürfen geplagt worden, sie hätten nach dem Sieg über Italien Prostituierte in ihren Hotelzimmern empfangen. Aber der Sieg über Spanien, die Mannschaft, die bis dahin seit 35 Spielen ungeschlagen war, hat in Amerika eine Welle der Begeisterung ausgelöst, von der das Team nun bis zum Titelgewinn getragen werden soll. Plötzlich scheint ein noch größeres „Wunder auf dem Rasen“ möglich. Dem ersten Finaleinzug der amerikanischen Mannschaft könnte der erste Titelgewinn bei einem internationalen Turnier folgen.

Zumal beim Confed-Cup schon einige kleine Mannschaften erstaunliche große Momente hatten – und Brasilien gegen Südafrika zahlreiche Schwächen gezeigt hat. Die Gastgeber hatten über große Strecken die besseren Chancen und frustrierten mit ihrer guten Abwehr die Südamerikaner, für die das späte Freistoßtor von Daniel Alves eine glückliche Erlösung war. Teamchef Carlos Dunga macht für das mäßige Auftreten des großen Favoriten die hohe Belastung verantwortlich, „sechs komplizierte Spiele in knapp 19 Tagen“. Das Trio Kaka, Robinho und Luis Fabiano konnte im Halbfinale nicht überzeugen.

Aber auch Amerika hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen. So muss Trainer Bob Bradley auf einen wichtigen Mittelfeldspieler verzichten, seinen Sohn Michael. Der Mönchengladbacher Profi hatte im Spiel gegen Spanien eine fragwürdige Rote Karte gesehen und wird vermutlich durch Benny Feilhaber oder Sacha Kljestan ersetzt. Die größte Aufmerksamkeit wird Clint Dempsey zukommen. Der Profi vom FC Fulham hat einige hervorragende Spiele hinter sich. Gegen Spanien erzielte er nicht nur das zweite Tor, sondern bereitete auch den Treffer von Jozy Altidore vor.

Viele Südafrikaner werden im Ellis- Park-Stadion am Sonntag jedenfalls den Amerikanern die Daumen drücken. „Die Brasilianer hätten schon gegen uns verlieren sollen“, sagt Thulani Sambo, der das Spiel zu Hause vor dem Fernseher verfolgen will. Nun hofft er auf die Amerikaner.

Für viele Südafrikaner findet das eigentliche Finale ohnehin schon einige Stunden vorher statt: Nach ihrem mutigen und schönen Spiel gegen die Brasilianer hofft die Bafana Bafana nun, die Spanier im Spiel um den dritten Platz (15 Uhr, live im DSF) schlagen zu können und so ein Zeichen zu setzen im Hinblick auf die WM 2010.

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