Sport : Gegen das Gesetz

Lautern gewinnt gegen den HSV 4:0 und rettet Trainer Gerets

Oliver Trust

Kaiserslautern. Die Fotografen lieben solche Spiele, wenn es vorher heißt, einer der beiden Trainer muss gehen, wenn der Gegner wieder mehr Tore schießt. Erst hocken sie vor der einen Trainerbank und dann husch, husch, schnell rüber zum anderen, der die Last eines Schicksalsspiels zu tragen hat. Sie haben an diesem Abend viele Fotos gemacht von den ernsten, angespannten Gesichtern, die Erik Gerets vom 1. FC Kaiserslautern und Kurt Jara vom Hamburger SV so machten vor diesem Duell der Krisenklubs. Geht es nun wirklich nach diesen Regeln der Fußballgesetzbücher, müsste der Österreicher Jara in den nächsten 24 Stunden entlassen werden, weil zwischen Erwartung und Wirklichkeit diese Lücke klafft, die bei Vorständen und Anhängern gleichermaßen Unzufriedenheit gedeihen lässt. 0:4 auf dem Betzenberg, vorgeführt, gedemütigt, an die Wand gespielt. Elf Monate kein Auswärtsspiel gewonnen, Platz 13 nach neun Spieltagen und nur acht Punkte auf dem Konto. Das ist der Nährboden, auf dem gewöhnlich Entlassungen entstehen. Gnadenfrist fast ausgeschlossen? Teammanger Bernd Wehmeyer sagte später: „Die Trainerfrage stellt sich nicht.“ Jara darf also doch bleiben, vorerst.

Der andere Wackelkandidat hat mindestens ein, zwei Wochen lang seine Ruhe, bis zur nächsten Niederlage. Diesmal aber konnte Erik Gerets in Kaiserslautern zufrieden sein, auch weil sich das angeschlagene Trio Lokvenc, Klose und Mettomo diensttauglich meldete. Es dauerte zwar 36 Minuten lang, bis der bärtige Belgier jubeln durfte, der FCK aber bestimmte vor 38 016 Zuschauern das Spiel. Nach einer Flanke von Markus Anfang köpfte Lucien Mettomo den Ball ins Tor. In der 7. Minute hatte Lokvenc schon den Pfosten getroffen, die Kollegen Dominguez und Klose ließen weitere Chancen aus. Der Pfostentreffer von Hamburgs Stürmer Mahdavikia nach einem Schuss aus 25 Metern waren eher Ausdruck von Verzweiflung. Die Hamburger verloren in einer munteren ersten Hälfte die meisten Zweikämpfe im Mittelfeld, weil sich die hanseatischen Abteilungsleiter Spielgestaltung gegen die Pfälzer Konkurrenz nicht durchsetzen konnten. Es drängte sich sogar der Eindruck auf, sie versteckten sich. Und auch das taugt als Fußballgesetz: Wer den Ball lieber schnell zum nächstbesten Kollegen spielt, gibt damit auch die Verantwortung weiter.

In solchen entscheidenden Spielen aber bleiben Aufregung und Unsicherheit ein ständiger Begleiter. In diesem Fall bohrten aufseiten der Pfälzer leise Zweifel. Hamburg entdeckte nach der Pause Mut und Entschlossenheit. Romeo, Mahdavikia und Barbarez vergaben dicke Möglichkeiten, die Abwehr der Pfälzer rannte eine gute Viertelstunde dem erwachten Gegner nur noch hinterher. Die Einzigen, die nun gelassen bleiben konnten, waren die Fotografen, denn die hatten ja von beiden Trainern Bilder geknipst. Ein Foul von Reinhardt an Klose im Strafraum half Kaiserslautern aus der Klemme. Klose verwandelte den Elfmeter (63.) zum 2:0. Die Hamburger Fans riefen entrüstet: „Wir haben die Schnauze voll.“ Die Pfälzer Zuschauer standen auf und beklatschten das Saisonzwischenhoch ihrer Mannschaft. Sogar Erik Gerets durfte sich anhören, er sei im Sympathie-Ranking wieder zum „besten Mann“ aufgerückt.

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