Sport : Gegen das Horrorjahr

Gießen hofft auf Sieg über Alba im Pokal-Halbfinale

Helen Ruwald

Berlin - Gegen Chuck Eidson waren die Trierer chancenlos. Der Flügelspieler der Gießen 46ers machte 41 Punkte und stellte damit vor zwölf Tagen einen Saisonrekord in der Basketball-Bundesliga auf. Und das im erst sechsten Spiel nach mehrmonatiger Pause. Der US-Amerikaner hatte sich in der Saisonvorbereitung einen Kreuzbandriss zugezogen. Doch der überragende Auftritt des 25-Jährigen reichte in Trier nicht: die Hessen verloren 91:105. Nun soll es Eidson am Sonnabend (16 Uhr, live bei Premiere) im Halbfinale der Pokalendrunde in Bamberg gegen Alba Berlin richten. Seinetwegen sagt Trainer Stefan Koch: „Das ist ein Stück weit eine andere Konstellation als in den Bundesligaspielen gegen Alba.“ Die Berliner feierten beim 95:63 in Gießen den höchsten Auswärtssieg der Saison – und das ohne den verletzten Spielmacher Hollis Price, der momentan in Topform ist. Das Rückspiel gewann Alba 102:74. Eidson fehlte beide Male.

Eine Grippe bremste ihn zu Wochenbeginn, doch seinem Einsatz gegen Alba steht nichts im Wege. „Er ist letztes Jahr zu Recht zum wertvollsten Spieler der Saison gewählt worden und hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet“, sagt Alba Berlins Vizepräsident Marco Baldi, „mit ihm hätte Gießen kein Problem gehabt, die Play-offs zu erreichen.“ Doch so beendete das Team die Hauptrunde nach dem 70:84 am Sonntag gegen Bonn nur auf Rang elf und steht im Gegensatz zu den anderen Pokal-Halbfinalisten Berlin, Bamberg und Quakenbrück vor dem Saisonende. „Wir sind der größte Außenseiter“, sagt Koch vor dem Top-4-Turnier.

2005 – nur ein Jahr nach dem Fast-Abstieg – hatte Eidson sein Team überraschend ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft geführt, wo es am späteren Meister GHP Bamberg scheiterte. Der Euphorie folgte die Ernüchterung: Eidson verletzte sich, Gießen trennte sich nach positiver Dopingprobe noch vor Saisonbeginn vom Ex-Berliner Heiko Schaffartzik, undnach nur einem Einsatz dann wegen Disziplinlosigkeit von Neuzugang Terrence Leather. Center Souleymane Wane geht derzeit an Krücken, Chris Anrin fällt mit einer positiven Dopingprobe aus. Der Einsatz des angeschlagenen Spielmachers Louis Campbell ist laut Koch ebenso fraglich wie der des neuen Centers Vytas Danelius. „Der Geist ist willig, aber wie stark ist das Fleisch?“, fragt sich Koch deshalb. Ein Pokalerfolg könnte „das Horrorjahr, was Verletzungen und Personal angeht“ (Koch) vergessen machen. „Für Gießen geht es um alles oder nichts, da spielt man anders“, sagt Baldi. „Wir wollen noch einmal Großes vollbringen“, kündigt Gießens Geschäftsführer Christian Maruschka an.

Immerhin können die Gießener, die 2003 dem späteren Pokalsieger Alba Berlin im Halbfinale unterlagen, neben Eidson auch auf Anton Gavel setzen. Der 21 Jahre alte Spielmacher (16 Punkte im Schnitt) ist gerade zum besten Nachwuchsmann der Liga gewählt worden. Koch hofft darauf, dass sein Team nicht wie in der Bundesliga gegen Alba im dritten Viertel „einen Knacks“ bekommt. In Berlin führte Alba zur Halbzeit 41:35, 80 Sekunden nach der Pause hieß es 48:35, das Spiel war entschieden.

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