Sport : Gegen den früheren Chef: Pellegrims mit Capitals kontra Nethery mit Haien

Claus Vetter

Von den Fähigkeiten seines ehemaligen Chefs ist Mike Pellegrims nach wie vor überzeugt. "Sicher ist es nicht einfach, unter Lance Nethery zu spielen", sagt der Belgier in Diensten der Capitals, "aber er ist ein Gewinner. Lance analysiert die Schwächen des Gegners und die Stärken der eigenen Mannschaft so gut wie kaum ein anderer." Dreimal ist Pellegrims in den vergangenen Jahren mit Trainer Nethery und den Mannheimer Adlern Meister geworden. Nach der zurückliegenden Saison trennten sich die Wege. Pellegrims verteidigt seitdem vor dem Tor der Capitals, Nethery coacht die Kölner Haien. Erfolg hatten im Laufe dieser Spielzeit beide mit ihren neuen Arbeitgebern. Aber für eine Seite endet die Saison spätestens Ende nächster Woche mit einem Negativerlebnis. Die Tickets für das Finale der Deutschen Eishockey Liga löst das Team, das zuerst drei Siege auf dem Konto hat. Am Sonnabend steht in der Kölnarena das erste Play-off-Halbfinalspiel zwischen Haien und Capitals auf dem Programm, Sonntag geht es in Berlin weiter und am Dienstag reisen die Capitals dann wieder nach Köln.

Drei Spiele in vier Tagen bedeutet eher einen Nachteil für die personell angeschlagenen Berliner. Rucchin und Ehlers werden am Wochenende nicht spielen, Kapitän Gross ist nach langer Verletzungspause noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Die Personalmisere sieht Pellegrims als weniger gravierend an, schließlich wurde schon schon im Viertelfinale gegen Krefeld bewiesen, dass man Ausfälle kompensieren könne. Zudem stehe vor dem Halbfinale eindeutig fest: Nur die Haie haben etwas zu verlieren. "Köln ist nicht nur der Favorit in der Serie gegen uns, Köln ist der Titelfavorit", sagt der Verteidiger der Capitals.

Sein ehemaliger Trainer möchte davon nichts hören. "Die ganze Saison schielt man vor jedem Spiel nur auf uns, das ist Unsinn. Es stehen immer beide Mannschaften unter Druck", sagt Lance Nethery. Und um die Aussage zu unterstreichen, adressiert der Kölner Übungsleiter schnell ein paar artige Komplimente an den Kontrahenten. Denn den hatte der Trainer aus Köln am Sonntag in Berlin beim Spiel gegen Krefeld schon mal unter die Lupe genommen: "Ich habe eine starke, disziplinierte und in der neutralen Zone sehr clever spielende Berliner Mannschaft gesehen. Ein unangenehmer Gegner für uns, aber welcher Gegner ist schon angenehm?"

Angenehm sei es indes, in Köln zu arbeiten, berichtet Nethery. Allein die feudale Kölnarena (Fassungsvermögen 18 400 Zuschauer) mache ein Engagement bei den Haien schon attraktiv. Eishockey sei nun mal ein Teil der Unterhaltungsbranche, meint Nethery, und da sei man in Köln schon etwas weiter als anderorts. "Die Zuschauer kommen nicht, weil sie wissen wollen, was in Paragraph vier des Regelbuchs steht. Die wollen in komfortabler Atmosphäre gut unterhalten werden und gutes Eishockey sehen. Das ist nicht anders als bei einem Besuch im Theater. Niemand würde sich dort ein Stück anschauen, um hinterher zu sagen, dass er alles schlecht findet."

"Wenn wir das Eishockey in Deutschland weiter nach vorne bringen wollen", sagt der Trainer der Haie, "dann müssen wir auch an anderen Standorten solche Hallen wie in Köln bekommen." In Berlin wird man davon wohl noch eine Weile träumen müssen. Dort steht nur fest, dass über der maroden Eissporthalle an der Jafféstraße irgendwann die Abrissbirne kreisen wird. Alle Pläne, die nahegelegene Deutschlandhalle zur Eishalle umzufunktionieren, liegen auf Eis.

Gestern monierte dies der Aufsichtsrat der Capitals in einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen. Von einem "unerträglichen Stillstand bei der Entscheidungsfindung" in der Frage der neuen Spielstätte der Capitals ist in dem Papier die Rede. Zum Halbfinalspiel am Sonntag haben die Charlottenburger Diepgen trotzdem eingeladen. Und wie Köln am Sonnabend darf sich dann auch Berlin über ein vollbesetztes Haus freuen - oder korrekt gesagt, ein volles "Häuschen". Denn ausverkauft bedeutet an der Spree etwas ganz anderes als am Rhein: Nicht 18 400 Zuschauer, sondern nur 6400.

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