Sport : Gegen den Strom

Heute beginnt die Kanuslalom-WM in Brasilien

Anke Myrrhe

Berlin - Es ist ein unglaublicher Kraftakt, die schmalen Boote gegen die Fließrichtung des Wildwassers zu steuern. Mindestens sechs rote Tore müssen die Kanuten gegen den Strom bewältigen, die restlichen grünen Stangen werden mit der Fließrichtung des Flusses durchfahren.

Besonders schwer wird es für die Besten der Szene, wenn es wie von heute an bei der Weltmeisterschaft im brasilianischen Foz do Iguaçu um jede Zehntelsekunde geht. Darauf haben sich die deutschen Kanuten seit knapp zwei Wochen, nahe der weltberühmten Iguaçu- Wasserfälle vorbereitet. „Wir haben uns gut an das Umfeld gewöhnt, keiner ist verletzt. Insgesamt ist die Stimmung sehr gut“, sagt Bundestrainer Jürgen Köhler.

Die fünfzehn Sportler des Deutschen Kanu-Verbands (DKV) sind für den Saison-Höhepunkt sehr gut aufgestellt. „So eine gute Ausgangsposition hatten wir schon lange nicht“, so Köhler. Im Einer-Kajak, in dem man sitzend mit dem Doppelpaddel fährt, treten Männer und Frauen an. Dabei ist unter anderem der diesjährige Weltcupgesamtsieger Fabian Dörfler, der bereits 2005 Weltmeister wurde. Bei den Männern gibt es zusätzlich die Wettkämpfe im Canadier, in dem man kniend mit einem Stechpaddel fährt. Dort macht sich Weltcupgesamtsieger Nico Bettge Hoffnungen auf den Titel. Im Canadier wird außerdem eine Doppelkonkurrenz ausgefahren, in der die Olympiazweiten Marcus Becker und Stefan Henze als Favoriten gehandelt werden.

Jennifer Bongardt ist eine der drei Frauen, die in Brasilien für den DKV an den Start gehen. Die amtierende Deutsche Meisterin im Kajak wurde im letzten Jahr Vize-Europameisterin und gewann die Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft – im Einzel und im Team.

Auch über ihre sportlichen Erfolge hinaus strahlt die 25-Jährige aus Köln – nämlich in Hochglanz aus dem Playboy. In der Septemberausgabe dieses Jahres erschien Bongardt gemeinsam mit Wasserball-Nationalspielerin Theresa Klein und Kite-Surf-Weltmeisterin Kristin Boese. „Es war eine tolle Abwechslung vom Sport“, sagt Bongardt über die Aufnahmen, „natürlich finden das nicht alle gut, aber das ist mir egal.“ Sie ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

In den nächsten Tagen geht es aber erstmal wieder um die sportlichen Erfolge. Heute und am morgigen Donnerstag findet in Foz do Iguaçu die Qualifikation statt, am Freitag werden die Teamwettkämpfe ausgetragen. „Mit dem Team wollen wir die Goldmedaille holen“, sagt Bongardt. Für die Einzelwettkämpfe am Wochenende könne man aber noch keine Prognose abgeben, so Cheftrainer Köhler. „Jenny traue ich viel zu, aber auch Mandy Planert ist in guter Form.“ Die nationale Konkurrenz unter den Athleten des DKV ist groß. Bei der WM in Brasilien kann für jede Kategorie ein Olympiastartplatz herausgefahren werden. „Wer von uns dann hinfährt, werden wir im nächsten Jahr ausfahren“, sagt Bongardt. Sie will unbedingt nach Peking, um ihren neunten Platz der Spiele von Athen wieder gut zu machen.

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