Gegen die Gewohnheit : Der 1.FC Union trennt sich von Trainer Uwe Neuhaus

Für den emotionalen Neustart: Union trennt sich zum Saisonende nach sieben Jahren von Trainer Neuhaus. Der Klub will sich weiterentwickeln - die Mannschaft stagnierte zuletzt.

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Macht ihr mal. Uwe Neuhaus wird seinen bis 2016 laufenden Vertrag beim 1. FC Union nicht erfüllen können.
Macht ihr mal. Uwe Neuhaus wird seinen bis 2016 laufenden Vertrag beim 1. FC Union nicht erfüllen können.Foto: Imago

Uwe Neuhaus trug einen nachdenklichen Blick mit sich herum, als er am Samstagvormittag seinen üblichen Weg von der Waldseite des Stadions an der Alten Försterei hinüber zur Kabine zurücklegte. In Anbetracht der Nachricht, die am Vormittag aus Köpenick vermeldet worden war, überraschte das kaum: Neuhaus hatte gerade eine Übungseinheit hinter sich gebracht, die alles andere als alltäglich war. Vor dem Training war die Mannschaft im Beisein des Trainers und des Sport-Geschäftsführers Nico Schäfer von Präsident Dirk Zingler darüber informiert worden, dass die Zusammenarbeit zwischen dem 1. FC Union Berlin und Neuhaus nach dem 34. Spieltag und damit zwei Jahre vor Ablauf seines bis 2016 laufenden Vertrages endet. Obwohl sich Neuhaus in seiner siebenjährigen Amtszeit als einer der erfolgreichsten Trainer der Vereinshistorie etabliert hat, muss er nun gehen. Die sportlichen Argumente sprachen einfach gegen ihn: Von den letzten neun Spielen hat der Zweitligist nur eines gewonnen.

„Nach gründlicher Analyse der sportlichen Situation sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass für eine erfolgreiche Arbeit in der kommenden Saison ein mentaler und emotionaler Neustart im sportlichen Bereich notwendig ist“, lässt sich Präsident Dirk Zingler in einer Pressemeldung zitieren. Zingler dankte Neuhaus ausdrücklich für seine Arbeit, wenngleich es in letzter Zeit atmosphärische Störungen gegeben haben soll. „Seine Arbeit hat in erheblichem Maße dazu beigetragen, dass wir wichtige Infrastrukturprojekte, wie den Ausbau unseres Stadions, ohne sportliche Sorgen realisieren konnten“, sagte Zingler. „Die Entwicklung des Vereins hat vom sportlichen Erfolg profitiert, dafür gebührt ihm als Cheftrainer höchste Anerkennung.“

In dieser Saison hatte Neuhaus, der am 11. Mai nach dem Heimspiel gegen 1860 München verabschiedet werden soll, Heinz Werner als Union-Trainer mit der längsten Verweildauer überholt. In sieben Jahren hat der frühere Bundesliga-Spieler von Wattenscheid 09 und Cheftrainer von Borussia Dortmund II sowie Rot-Weiss Essen die Köpenicker durch akribische Arbeit im Profifußball etabliert. Sein Umzug nach Berlin nach fast achtmonatiger Arbeitslosigkeit leitete sein neues Leben ein. Sportlich stieg er mit Union 2008 in die Dritte Liga und 2009 in die Zweite Liga auf. Dort angekommen, festigte sich der Klub in den folgenden vier Jahren mit den Plätzen zwölf, elf, sieben und sieben.

Uwe Neuhaus war in den vergangenen Monaten nicht mehr unumstritten

Neuhaus war in den vergangenen Monaten allerdings nicht mehr unumstritten, auch aufgrund seiner mangelnden Kommunikation mit den Spielern. Als er am vergangenen Dienstag jedoch mit Baris Özbek und Adam Nemec zwei Akteuren mit bis 2016 laufenden Verträgen die Freigabe erteilte, sprach das eigentlich nicht mehr für eine seit längerem kolpotierte vorzeitige Trennung. Schließlich hätte diese Entscheidung doch auch mit dem Einverständnis von Präsident Zingler geschehen müssen.

Dass Neuhaus vier Tage nach den von ihm geopferten Spielern nun selbst entlassen wird, lässt viele Fragen offen. Hat es sich Zingler anders überlegt? Gab es ein weiteres klärendes Gespräch zwischen Präsident und Trainer? Der Verein hält sich noch bedeckt, Pressesprecher Christian Arbeit riet allen Profis dazu, sich nicht zu den aktuellen Geschehnissen zu äußern.

Fakt ist, dass die Mannschaft zuletzt stagnierte. Womöglich hat Neuhaus seine Position auch überschätzt. Im Laufe der Jahre war er zum mächtigsten Mann nach Präsident Dirk Zingler aufgestiegen. 2011 musste Manager Christian Beeck wohl auch auf Wunsch des Trainers hin gehen, fortan entschied Neuhaus alles allein. Nun muss er im Umkehrschluss auch die volle Verantwortung für seine bisweilen merkwürdige Transferpolitik tragen.

Als mögliche Nachfolger werden im Moment Holger Stanislawski, Thomas Brdaric und Mike Büskens gehandelt.

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