Sport : Gegen die Leere hilft nur Meditation

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Christine-Felice Röhrs über unerträgliche Mengen von Tennis-Kaviar

Zeit zu meditieren, Zeit, alle Konzentration zusammenzuraffen: „Ommm“ machen jetzt bitte mal alle, „ommm“, und setzen sich in den Schneidersitz. Ja, auch die, die schon vor 35 Jahren ihre Gelenkigkeit verloren haben. Blutarmut in den unteren Extremitäten soll eine erhöhte Aktivität des Gehirns bewirken. Und das brauchen jetzt alle, das Gehirn, da es darum geht, sich zurückzuversetzen in die Geschichte des Damentennis. „Ommm.“

Tauchen jetzt bei allen diese Bilder auf, schemenhaft, diese Bilder einer jungen Steffi Graf, wie sie über den Court hechtet, einem Ball hinterher, der fast unrettbar im äußersten Eck landet, wie sie ihre langen Beine streckt und mit einem letzten Wisch ihrer Slice-Rückhand den Punkt macht? Oder diese Bilder der Navratilova, wie sie sich mit steroidverzerrtem Gesicht von 0:6 auf 7:5 auf gloriose 6:3 kämpft und gewinnt? Oder von Monica Seles, wie sie bei jedem Schlag diesen hübschen, erotischen Schrei ausstößt? Spielerinnen, manchmal fast tänzerisch: großes Frauen-Kino. Sommer für Sommer haben Millionen Tennisfans zusammengesessen in den Klubhäusern, brüllend wie Hooligans: Stefffiiii. Und die Vereine konnten sich nicht mehr retten vor Nachwuchs.

Vorbei.

Jetzt schnippen wir mit den Fingern, alle erwachen aus ihrer Trance. Neinnein, bitte im Schneidersitz bleiben. Der Schmerz muss auch körperlich gefühlt werden, der Schmerz darüber, dass Damentennis kaum noch übertragen wird aus Mangel an Interesse, über leere Klubhäuser und leere Gespräche: Ohserenavenushatschonwiedergewonnen? Gähnend langweilig ist sogar Wimbledon geworden, seit die Williams dauersiegen. Es ist ja nicht ihre Schuld, dass keine Konkurrenz da ist – aber müssen die Fans leiden deswegen? Einmal Kaviar ist lecker, immer Kaviar macht Brechreiz.

Wie Männer in Neonkleidchen prügeln die Schwestern kerzengerade ihre Bälle übers Netz, mit Kraft ohne Tanz, und walzen verhuschte Hénins oder Mauresmos oder Capriatis nieder, und wenn die platt sind, dann spielen sie eben gegeneinander, während Mutter Oracene vor Langeweile Stunden beim Friseur verbringt, zum Blondieren. Rundherum wabert die Masse der -ovas, die nur am Bauchnabelpiercing unterscheidbar ist. Und die Navratilova ist hauptberuflich Hausfrau mit Hundetick.

Oh, jetzt sind die Beine eingeschlafen? Dann setzen sich jetzt alle vor den Fernseher, für ein Nickerchen, und schauen ein wenig Damentennis. „Ommm.“

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