Sport : Gegen die Mauer geschlittert

Warum die Eisbären im zweiten Eishockeyfinale kein Mittel gegen die Kölner Defensive fanden.

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Eingekreist. Gleich drei Kölner attackieren den Berliner Darin Olver. Foto: dpa
Eingekreist. Gleich drei Kölner attackieren den Berliner Darin Olver. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - An Florian Busch lag es nicht, dass die Eisbären am Dienstag verloren haben. Ob er seinen Spielern die despektierlichen Äußerungen des Eisbären-Stürmers noch einmal vorgespielt habe, um sie zusätzlich zu motivieren, wurde Kölns Trainer Uwe Krupp nach dem 3:1-Auswärtssieg seines Teams gefragt. „Nein, so etwas ist Zeitverschwendung“, antwortete er. Busch hatte es am Sonntag beim Sieg der Berliner im ersten Spiel der Finalserie mit dem Trash-Talk, dem im Eishockey so beliebten Provozieren des Gegners, etwas übertrieben: „Völlig nervös“ und „schlecht“ seien die Kölner, hatte er da gesagt, und lautstark gefragt, ob sie „die Hosen voll“ hätten. Das bekam nicht nur sein Gegenspieler zu hören, sondern auch das Fernsehpublikum, war Busch doch vom übertragenden Sender mit einem Mikrofon versehen worden. „Schmunzelnd“ habe man den Spott in Köln zur Kenntnis genommen, sagte Krupp, um dem Gegner dann noch lächelnd eine ironische Breitseite mitzugeben: „Es ist doch gut, dass Busch ein sehr selbstbewusster junger Mann ist, der sich sehr gut im Eishockey auskennt.“

Krupp konnte sich das erlauben. So souverän wie der Trainer nach dem Spiel hatte sich seine Mannschaft zuvor auf dem Eis präsentiert. Psychotricks brauchte sie nicht, um bemerkenswert überlegen zu siegen. „Wir haben einfach unser Spiel gespielt, und das ist uns heute besser gelungen als am Sonntag“, sagte Krupp gelassen.

Für die Eisbären ist das beunruhigend. Denn die Kölner dominierten im Schlussabschnitt dermaßen, dass der Titelverteidiger so ratlos wirkte, wie es bei einer Eisbären-Mannschaft nur ganz selten zu sehen ist. Zwar führten die Gäste da nur mit 3:1, ein Vorsprung, der im Eishockey eigentlich schnell aufzuholen ist, aber den verwalteten sie so geschickt, dass die Hoffnung auf eine späte Wende früh verflog. Schon in der Mittelzone störten sie das Berliner Aufbauspiel konsequent, den Angriffsschwung, der die Eisbären sonst gerade in kritischen Situationen so gefährlich macht, unterbanden sie damit bereits im Ansatz. Kamen die Berliner doch einmal ins gegnerische Drittel, zogen sich die Kölner weiter zurück, machten den Raum im Zentrum eng und setzten an den Banden wuchtige Checks. Den Berlinern fehlten Raum und Zeit, um geordnete Angriffe zu inszenieren und in aussichtsreiche Positionen zu kommen.

Anders als im ersten Finalspiel, in dem die Kölner im Anfangsdrittel tatsächlich hochgradig nervös gewesen und in Rückstand geraten waren, spielte ihnen der Verlauf der Partie diesmal in die Karten. Zu Beginn war es nämlich noch ein Spiel auf Augenhöhe „Wir haben uns viele Torchancen erarbeitet, waren aber nicht kaltschnäuzig genug“, sagte Eisbären-Kapitän André Rankel. Die Kölner zeigten sich treffsicherer, insbesondere mit einem Mann mehr auf dem Eis. „Sie haben zwei Überzahlsituationen genutzt, wir nur eine. Das war der Schlüssel, da haben wir uns nicht so gut angestellt“, sagte André Rankel.

Es waren diese kleinen Fehler, die das Spiel in klare Bahnen lenkten. Denn erst mit der Führung im Rücken konnten die Kölner ihre Abwehrmauer aufbauen. Im ersten Spiel hatten die Eisbären noch den nötigen Raum für ihr Offensivspiel gefunden, weil die Kölner ständig einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Für Krupp könnten frühe Tore daher die Serie entscheiden: „Beide Mannschaften spielen sehr gut, wenn sie in Führung liegen. Für den Gegner ist es dann schwer, wieder zurückzukommen“, sagte der Kölner Trainer.

Im dritten Finalspiel am Freitag dürfte daher die Anfangsphase ähnlich ausschlaggebend sein. Rankel erwartet ein weiteres enges Spiel, in dem erneut Kleinigkeiten entscheiden werden. Trotz der Ernüchterung vom Dienstag bleibt er selbstbewusst: „Wir müssen nur unsere Chancen nutzen, dann sieht es ganz gut aus.“ Umso besser natürlich, wenn den Eisbären das erste Tor gelingen sollte. Sonst könnten sie auch in Köln gegen eine Wand laufen.

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