Sport : Gegen die Ungeduld

Eishockey-Klub Hannover Scorpions und sein Kampf um mehr Popularität

Claus Vetter

Berlin - Romantisch ist es nicht unbedingt am Expo-Plaza. Im Hannoveraner Stadtteil Laatzen erinnert nur noch wenig daran, dass auf dem riesigen zubetonierten Platz vor vier Jahren eines der Zentren der Weltausstellung war. Es herrscht meist Tristesse, nur ein Gebäude sorgt gelegentlich für Andrang. Hinter hellbraunem Stein und Glasfassade verbirgt sich eine der größten Mehrzweckhallen des Landes: Die Tui-Arena, Heimstätte vom Eishockey-Klub Hannover Scorpions.

Heute schauen die Eisbären dort vorbei, wo einst die Welt zu Gast war. Bei den Scorpions ist man darüber nicht glücklich. Nicht etwa, weil die Berliner Favorit sind. Spiele am Dienstag, das sei grausam, sagt Klubsprecher Elmar Schmid. „Viele unserer Fans kommen aus dem Umland, bis halb acht schaffen die das nicht bis zur Halle.“ Aber als der Spielplan der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) herauskam, seien viele der attraktiven Wochenendtermine belegt gewesen.

Seit dieser Saison gehört der Klub, der einst als Familienunternehmen vom Landtagsabgeordneten Jochen Haselbacher als Wedemark Scorpions gegründet und geführt wurde, dem neuen Arena-Betreiber Günter Papenburg. Mit Werbung, Plakaten und Aktionen versucht Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth, die Halle zu füllen. Ein „Event-Tempel“ solle das werden, hat er postuliert, so wie die Hamburger Color Line Arena, wo die Freezers seit zwei Jahren vor fünfstelligen Zuschauerzahlen spielen. Davon sind die Scorpions noch entfernt. Zum Auftakt gegen Wolfsburg kamen zwar 10500 Zuschauer, vergangenen Dienstag aber war das Blau der Polstersitze wieder beherrschende Farbe in der Halle – gegen Mannheim kamen nur 3100 Fans.

Angesichts der Konkurrenz in der Stadt durch den nicht minder beliebten Drittligisten Hannover Indians und ihrer sportlichen Situation haben es die Scorpions nicht einfach. Sie setzen nun überwiegend auf junge deutsche Spieler, auch „aus ökonomischen Gründen“, wie Gunnar Leidborg sagt. „Sechs Jahre wurde das hier mit erfahrenen Spielern versucht, viele Titel sind dabei nicht herausgesprungen.“ Trotz der Ironie beim Trainer: Sein neues Team kam bisher nur zu drei Siegen in sieben Spielen. „Wir werden weiter Gegenwind bekommen.“ Nur nicht – wie im Vorjahr – in die Abstiegsspiele rutschen, das sei das Saisonziel. Und wenn doch mehr rausspringt? Leidborg lacht. „Eine Play-off-Teilnahme würden wir nicht ablehnen.“

So lustig findet der Schwede mit dem tiefen Bass in der Stimme das aber doch nicht. Noch mehr Niederlagen, der Druck würde wachsen, die Halle nicht voller werden. Immerhin debütiert heute gegen Berlin mit Stürmer Todd Hlusko ein erfahrener Kanadier bei den Scorpions. Dringend benötigte Unterstützung, sagt Leidborg. „Denn unser Konzept mit der Jugend braucht Zeit. Aber das Problem ist: Geduld gibt es in Deutschland nur als Wort.“

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