Sport : Gegen die Wand

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Benedikt Voigt über Wildmosers

zerstrittene Erbengemeinschaft bei 1860

Bei Karl Auers erstem Fernsehinterview musste Moderator Gerd Rubenauer dem Wurstfabrikanten und neuen Präsidenten des Fußball-Bundesligisten 1860 München erklären, dass er das Mikrofon vor den Mund halten muss und nicht wieder sinken lassen darf. Auer wirkte daraufhin leicht verstört, weshalb der medienerfahrenere Vizepräsident Hans Zehetmair das Wort ergriff. So viel redete der ehemalige bayerische Kultusminister, dass Rubenbauer irgendwann fragte: „Wer ist jetzt eigentlich der wirkliche Präsident, Zehetmair oder Auer?“

Vier Wochen später gibt es darauf immer noch keine Antwort. Aktuell spaltet das Präsidium die Frage, wie lange Trainer Falko Götz beim abstiegsbedrohten Klub weiterarbeiten darf. Zehetmair verhängt ein Ultimatum, Auer will davon nichts wissen. Nun rächt sich, dass es dem TSV 1860 vor vier Wochen nicht gelungen ist, die Post-Wildmoser-Ära mit einem tatsächlichen personellen Neubeginn einzuleiten. Das aktuelle Präsidium ist lediglich ein Kompromiss. Es besteht aus einem Gefolgsmann des alten Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser (Auer) und einem Vertreter der Erneuerer um den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (Zehetmair). Entsprechend schleudert die Vereinspolitik. Der eine lenkt nach rechts, weil er bewahren will, was sein Vorgänger und Vorbild Karl-Heinz Wildmoser eingeführt hat. Zum Beispiel Trainer Falko Götz. Der andere lenkt nach links, weil er einen Weg sucht, das Wildmosersche Erbe loszuwerden. Und gemeinsam fahren sie 1860 München gegen die Wand.

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