Gegen Dortmund : Blamage für Meister Wolfsburg

Der deutsche Meister im Sinkflug: Der VfL Wolfsburg ist nach der vierten Heimniederlage der Bundesliga-Saison auf Platz neun zurückgefallen. Die Mannschaft von Trainer Armin Veh verlor das Duell mit Borussia Dortmund vor allem wegen einer desolaten ersten Halbzeit.

Christian Otto
Barrios
Lucas Barrios (r.) erzielt das 1:0 für die Gäste aus Dortmund. -Foto: ddp

WolfsburgDas Hüpfen und Jubeln schwarz-gelb gekleideter Menschen wollte kein Ende nehmen. Die Spieler von Borussia Dortmund rissen mit dem Schlusspfiff ihre Arme hoch. Auf der Tribüne feierten die Fans ihre Lieblinge, als wäre ein ganz großer Titel errungen worden. Das Stimmungshoch der Dortmunder, die sich dank ihres gestrigen 3:1 (3:0)-Erfolges bis auf den 6. Tabellenplatz der Fußball-Bundesliga vorgearbeitet haben, ging einher mit einer Blamage des gastgebenden VfL Wolfsburg. "So etwas darf nicht passieren. Wir waren mental und physisch gar nicht da", sagte der sichtlich konsternierte VfL-Trainer Armin Veh.

Wer als Meister schon zur Halbzeit mit 0:3 zurückliegt und damit im eigenen Stadion noch gut bedient ist, dem dürfen ernsthafte Probleme attestiert werden. Nach den schnellen Gegentoren durch Lucas Barrios (8./10.), beide vorbereitet durch den überragenden Mohamed Zidan, und Patrick Owomoyela (36.) hatten die Wolfsburger Fans auf ihre Mannschaft und vor allem auf deren Trainer und sportlichen Leiter gepfiffen. Jürgen Marbach, als Geschäftsführer der VfL Wolfsburg Fußball GmbH bisher ein loyaler Kollege von Veh, hatte schon in der Halbzeitpause von einem bedenklichen Tiefpunkt gesprochen. "Es wird jetzt natürlich deutlich unruhiger hier. Mir ist wenig nach Weihnachten und Feiern zu Mute", sagte Marbach über einen Abend, der im Kreise der Mannschaft eigentlich mit gutem Essen und guter Laune auf einer Adventsfeier beendete werden sollte.

In den anstehenden Diskussionen, die den VfL auf seinem Leidensweg in die Winterpause begleiten werden, dürfte es auch um die Frage gehen, ob Veh der Mannschaft irgendwann wieder mehr Elan und Selbstvertrauen einimpfen kann. "Die Beine der Spieler werden ohne Erfolgserlebnisse immer schwerer", sagte der Mann, unter dessen Regie vom Ruhm des Meisters noch wenig geblieben ist. Seine jüngste Idee, gegen die zuletzt spielfreudigen Dortmunder im heimischen Stadion mit lediglich einer Spitze anzutreten und den formschwachen Stürmer Grafite auf die Auswechselbank zu verbannen, wurde nicht von Erfolg gekrönt. Die Dortmunder waren gedanklich einen Schritt schneller, kombinierten geschickt und durften ihre Tore fast ungestört erzielen.

Dass Veh seine Aufstellung schon nach zwanzig Minuten korrigieren musste und Marcel Schäfer sowie Thomas Kahlenberg durch Grafite und Fabian Johnson ersetzte, änderte nur wenig. Grafite konnte nach der Halbzeit zwar noch auf 1:3 verkürzen. Aber was auch immer die Wolfsburger danach anstellten: Fünf Tage nach ihrem Ausscheiden aus der Champions League wirkten sie erneut hilf- und wehrlos. "Unsere Situation ist sehr schwierig, denn die Erwartungen hier in Wolfsburg sind sehr hoch", sagte Mannschaftskapitän Josué.

"Wir haben hier gut und mit ganz viel Leidenschaft gespielt", sagte der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp, dessen Freude nur dadurch getrübt wurde, dass Zidan wegen einer Fleischwunde am Bein ausgewechselt werden musste. Auf Wolfsburger Seite hatte zuvor Christian Gentner eine Platzwunde am Auge erlitten. "Wir haben in den vergangenen Wochen einfach zu viele Nackenschläge bekommen", sagte VfL-Trainer Veh, der wie viele seiner Spieler müde, ausgelaugt und ratlos die Winterpause herbeisehnt.

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