Sport : Gegen statt für Deutschland

Der 17-jährige Dortmunder Nuri Sahin soll heute für die Türkei auflaufen. War der DFB nicht schnell genug?

Felix Meininghaus

Dortmund - Daran, wann er Nuri Sahin zum ersten Mal hat spielen sehen, kann sich Metin Tekin genau erinnern: Im Winter 2003 war das bei einem Hallenturnier in einem Dortmunder Vorort. Ein paar Monate später beobachtete der Leiter des Europabüros des türkischen Fußballverbands den schmächtigen Jungen erneut. Die C-Jugend von Borussia Dortmund unterlag Bayer Leverkusen zwar 0:4, dennoch war Tekin beeindruckt: „Sehr guter Fußballverstand, kann hervorragend mit dem Ball umgehen“, ist in seinen Aufzeichnungen nachzulesen.

Inzwischen ist Nuri Sahin 17 Jahre alt und läuft möglicherweise heute in Istanbul gegen Deutschland auf. Er wäre dann der jüngste A-Nationalspieler in der türkischen Fußball-Geschichte. Der bisher jüngste Bundesligaspieler ist er bereits. Sahin, den Arsenals Trainer Arsene Wenger als das „momentan weltweit größte Talent unter 18 Jahren“ bezeichnete, war bei Borussia Dortmunds Saisonauftakt in Wolfsburg 16 Jahre und 335 Tage alt.

Der Mittelfeldspieler wurde mit der Türkei U-17-Europameister, bei der U-17-WM in Peru, bei der die Türken auf Platz vier landeten, spielte er wieder überragend. Vor der Saison hat Arsenal ein Angebot über drei Millionen Euro für den Teenager abgegeben, das der FC Chelsea nach Berichten englischer Medien verdoppelt haben soll. Sahin hat in Dortmund einen Vertrag bis 2009. Sein Marktwert dürfte weiter steigen, sollte er heute gegen Deutschland tatsächlich auflaufen. Einiges deutet darauf hin, denn die Türken haben viele Verletzte.

Dabei ist Nuri Sahin in Lüdenscheid geboren und lernte das Fußballspielen beim Rasensportverein Meinerzhagen. Er war also durchaus auch ein Kandidat für die deutsche Nationalmannschaft. Den deutschen Talentspähern war Nuri Sahin sogar früher als den türkischen aufgefallen. Sein Vater Savan Sahin erinnert sich an Trainingseinheiten in der Sportschule Kaiserau, „doch danach haben wir vom DFB nichts mehr gehört“. Die Türken hingegen luden Nuri Sahin zu Sichtungslehrgängen ein. Sein Sohn habe dabei allerdings Organisation und Disziplin vermisst, berichtet Savas Sahin, für Nuri habe damals festgestanden: „Papa, ich spiele nur für Deutschland.“ Doch dazu kam es nicht. Bernd Stöber, Trainer der deutschen U17, empfindet es als „unglaublich ärgerlich, dass dieser Junge nicht für uns spielt“. Dass der DFB sich nicht genug gekümmert habe, weist DFB-Sprecher Harald Stenger zurück: „Sahin wurde frühzeitig vom zuständigen Trainer Michael Skibbe, gefragt, ob er für Deutschland spielen möchte.“ Doch seine Familie habe mitgeteilt, Sahin wolle für die Türkei antreten. Das sieht Sahin anders. „Wären die Deutschen hartnäckiger gewesen, würde Nuri jetzt für Deutschland spielen“, sagt er. Rein theoretisch kann er das noch. Bis er 21 wird, kann er sich noch für die DFB-Elf entscheiden – wenn er heute nicht für die Türkei aufläuft. Sobald er ein A-Länderspiel bestritten hat, kann er das Nationaltrikot nicht mehr wechseln.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben