Gegen Stuttgart : An die Sensation denkt bei den Bayern niemand

Der FC Bayern München will vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart nicht mehr vom Titel sprechen.

Sebastian Krass[München]

Der Satz mit dem Wildschwein kam völlig unvermittelt. Und er brachte auch den, der ihn aussprach, aus der Fassung. Ganz routiniert hatte Jupp Heynckes zunächst über die zwei angeschlagenen Spieler gesprochen: dass ein Einsatz von Zé Roberto nach wie vor fraglich sei, und dass Hamit Altintop am Donnerstag mit dem Physiotherapeuten einen Waldlauf absolviert habe. „Da hatte er beinahe eine Kollision mit einem Wildschwein.“ Heynckes nahm die Hände vors Gesicht und prustete los. Meinte er das ernst? „Ja, ja“, presste der Trainer des FC Bayern hervor. „Der Muskelfaserriss in der Wade ist eigentlich auskuriert. Aber er hat noch einmal einen leichten Bergablauf gemacht, um die Wade extrem zu belasten. Da kam plötzlich ein Wildschwein quer über den Weg.“ Nun habe er Hoffnung, Altintop einsetzen zu können, fand Heynckes, der sich inzwischen wieder gefangen hatte. „So geschickt, wie er dem Schwein ausgewichen ist.“

Er würde den türkischen Nationalspieler wegen dessen Vielseitigkeit gerne am Samstag aufstellen, wenn es im direkten Duell gegen den VfB Stuttgart um Platz zwei geht, also um einen sicheren Platz in der Champions League – und ein bisschen auch um die deutsche Meisterschaft. Doch den Gedanken an die Sensation am letzten Spieltag der Bundesliga weisen die Bayern in diesen Tagen unisono von sich. „Ich male mir nichts aus. Wir haben nur die Chance, unser Spiel zu gewinnen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand“, sagte Heynckes. Aber ob er denn nicht ein Gefühl habe, dass in der heimischen Arena doch etwas ganz Besonderes passieren könne, hakte ein Reporter nach. „Sie wissen, wie das mit Gefühlen ist. Die Realität ist manchmal anders“, gab Heynckes zurück.

Auch in seiner letzten Pressekonferenz an der Säbener Straße präsentierte sich der 64 Jahre alte Übergangstrainer wieder aufgeräumt und bestens gelaunt. Zwar geht es für den FC Bayern am Samstag um extrem viel, nicht nur im positiven Sinne. Bei einer Niederlage gegen die derzeit blendend aufgelegten Stuttgarter und einem gleichzeitigen Sieg von Hertha BSC Berlin droht gar Platz vier und somit das Verpassen der Champions League. Ein Szenario, in dem nicht nur Franck Ribéry, sondern auch Philipp Lahm kaum zu halten wären. Aber Heynckes verbreitet in dieser heiklen Phase nicht nur gute Laune, er schafft auch eine Atmosphäre von Ruhe und Sicherheit – ein Gefühl, das sich unter Jürgen Klinsmann nie wirklich eingestellt hatte. Lahm bestätigt den Eindruck, dass Heynckes ein Glücksfall gewesen sei: „Er ist ein sehr, sehr guter Trainer. Mit der Bilanz, die wir mit ihm erzielt haben, wären wir sicher Deutscher Meister geworden.“

Zwar wird Heynckes nach der Saison die Bayern wieder verlassen, aber zumindest sein Kotrainer Hermann Gerland soll die erste Mannschaft auch in der nächsten Spielzeit begleiten. Der bisherige Coach der U 23 wird nun wohl auch zum Assistenten von Louis van Gaal befördert, wie Manager Uli Hoeneß dem „Kicker“ sagte. Es stehe nur noch ein Kennenlernen zwischen van Gaal und Gerland aus. Mehmet Scholl, der bei der zweiten Mannschaft als Trainer eingesprungen war, soll diese Aufgabe auch kommende Saison ausfüllen. Eine Lösung, die auch Heynckes für sinnvoll hält: „Hermann ist mir bei meiner Arbeit eine große Hilfe.“ Und egal wie diese Saison ausgeht. Diese zwei Herren können sich bei Bayern ewiger Dankbarkeit gewiss sein.

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