Sport : Geheimsponsor soll Coast retten

Radprofi Ullrich hofft auf neue Lizenz und auf Tour-Start

Hartmut Scherzer

Frankfurt. Vergangenes Jahr war es das Knie, das Jan Ullrich an der Vorbereitung auf die Tour de France hinderte und zur Absage führte. Im Mai 2003 ist es das finanzschwache Coast-Team. Doch diesmal lässt sich der Schaden beheben. Der Radsport-Weltverband UCI hat zwar Coast wegen ausstehender Zahlungen zum zweiten Mal die Lizenz entzogen und damit ein Fahrverbot für die heute in Spanien beginnende Asturien-Rundfahrt verhängt. Doch bis zum nächsten geplanten Start des Teams am 31. Mai in Erfurt mit anschließender Deutschland-Tour dürfte die Coast-Mannschaft nach dem letzten Stand der Dinge unter neuer Flagge teilnehmen. Der umtriebige Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage mit seiner eigens in Holland neugegründeten Firma „Cycle BV“, der italienische Fahrrad-Fabrikant Bianchi als Hauptsponsor und ein noch geheimer deutscher Finanzier stehen als neue Besitzer des momentan insolventen Coast-Teams bereit.

Die Zusage des zusätzlichen deutschen Sponsors am Montag ermutigte Pevenage, die dem Coast-Team entzogene Lizenz für den bisherigen Ausrüster Bianchi und den neuen Co-Sponsor zu beantragen. Der zweite Geldgeber würde der Öffentlichkeit vorgestellt werden, „wenn wir die Lizenz auch erhalten“, sagte Pevenage. „Es sieht gut aus, aber es muss noch viel passieren. Wenn der Weltverband nein sagt, ist alles weg.“

Der Belgier hofft dennoch intensiv, dass der Weltverband UCI nach einem Rückzug des in großen Zahlungsschwierigkeiten steckenden Essener Textilunternehmers Günther Dahms den neuen Eigentümern die Lizenz übertragen wird. „Das wäre die beste Lösung, besser, als wenn Jan allein zu einem anderen Team wechselte“, sagte Pevenage. Ullrich hatte auf seiner Homepage den Bruch mit Dahms bereits verkündet. „Die Grenze des Zumutbaren ist überschritten.“

Das Ullrich-Team als Einheit bliebe bei einer Übernahme bestehen, sagte Pevenage. „Allen 45 Angestellten von Coast, darunter 22 Fahrer, würden wir neue Angebote machen.“ Natürlich müssten alle finanziell zurückstecken. Also auch Ullrich, dem Dahms für das erste von drei Jahren rund zwei Millionen Euro zugesichert hatte. Dahms hatte den millionenschweren Dreijahresvertrag über 8,2 Millionen Euro mit Ullrich und dessen Entourage abgeschlossen, ohne diese Transaktion finanzieren zu können.

Der frühere Tour-Sieger Bjarne Riis, zu dessen dänischer Mannschaft CSC Ullrich ursprünglich hatte wechseln wollen und der vor Coast gewarnt hatte, sagte bloß: „Ich hoffe, dass die UCI jetzt den Spuk beendet.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar