Sport : Gehemmt, aber gewonnen

Der 1. FC Köln besiegt 1860 München 3:0

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Sieger im Armdrücken. Der Kölner Novakovic ist dem Münchner Bülow voraus. Foto: dpa
Sieger im Armdrücken. Der Kölner Novakovic ist dem Münchner Bülow voraus. Foto: dpaFoto: dpa

Mit „Meier raus!“-Rufen fing es an, mit „Meier raus!“ ging es weiter, und auch nach der Pokalpartie gegen 1860 München vergaßen die Kölner Fans nicht, das Ende der Manager-Ära Michael Meier zu fordern. Zwei Tage nach der Entlassung von Trainer Zvonimir Soldo ist das rund um das Bundesliga-Schlusslicht längst gängige Meinung – und auch das viel zu freundliche 3:0 (0:0) der Kölner gegen den Zweitligisten aus Bayern warf erneut kein gutes Licht auf Meiers Personalpolitik der letzten Jahre.

FC gegen 60 – das war über lange Zeit ein Spiel zwischen zwei Verzweifelten. Wunderdinge hatte von Interimstrainer Frank Schaefer zwar ohnehin keiner erwartet, die gehemmte, einfallslose und langatmige Spielweise der Kölner kam allerdings eine Stunde lang wie ein nicht für möglich gehaltener Rückschritt über das rheinische Fußballvolk nieder. Der am Geißbockheim aktuell verantwortliche Mann zeigte jedoch Verständnis für das schwache Spiel. „Man hat gesehen, welcher Druck auf der Mannschaft lastete“, sagte Schaefer nach dem ersten Erfolg im ersten Spiel unter seiner Leitung. „Deshalb konnte auch keiner erwarten, dass wir von der ersten Minute an Traumfußball spielen.“

Den bekamen die 24 500 Zuschauer in der halbvollen WM-Arena auch wahrlich nicht geboten. Ein Lattentreffer von Mittelfeldspieler Martin Lanig war die einzige vorzeigbare Torchance der Schaefer-Elf vor der Pause, stattdessen musste Torwart Miro Varvodic bei einem Schuss des Münchner Angreifers Benjamin Lauth dem FC gar das Halbzeit-Remis retten.

Beeindruckend war allein das Kölner Publikum, das sich seine Feierlaune durch keinen noch so verunglückten Pass vermiesen ließ – und für sein eisernes Durchhaltevermögen letztlich reich belohnt wurde. So traf Lanig im Anschluss an eine Ecke per Schulterkopfball zur Kölner Führung, ehe Mittelstürmer Milivoje Novakovic nach präziser Vorarbeit von Lukas Podolski und Podolski selbst das Resultat in eine unangemessene Höhe schraubten.

Zwei Minuten vor dem Abpfiff nahm Soldos Kurz- oder womöglich sogar Langzeiterbe Schaefer den Schützen des 3:0 vom Feld, den er in knapp drei Jahrzehnten beim 1. FC Köln als Jugendtrainer einst selbst betreut hatte. Podolski legte dem blonden Fußballlehrer den Arm um die Schultern, lächelte Schaefer zu – und übertrieb nach dem mäßigen Marsch ins Achtelfinale: „Wir haben heute ein gutes Spiel gezeigt, alles andere ist egal.“

Längst nicht alles egal ist allerdings den Kölner Fans. Nach letzten „Meier raus!“-Rufen spannten sie in der Südkurve ein langes Transparent mit einer weiteren Botschaft der Basis auf: „Geduld haben + Wort halten: Der Geißbock braucht ’nen guten Schaefer!“

Der gute Hirte, der die Kölner ab sofort auch in der Liga aus dem Tal führen soll, nahm die freundliche Stimmung, die zumindest ihm gegenüber momentan herrscht, dankbar auf. „Die Zuschauer sind wirklich einmalig“, säuselte Schaefer, der „in den letzten zwanzig Minuten“ dann auch von seiner Mannschaft „Positives zu sehen bekam“. Und deshalb glaubt er nun: „Gute Ergebnisse können Prozesse in Gang setzen.“ Und ein gutes Ergebnis – das konnten die Kölner gestern in der Tat vorweisen.

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