Sport : Gehen: Es geht doch: Erm wird Fünfter

Heinz Florian Oertel

Vorweg: ein fünfter Platz im Olympia-Elitefeld ist Beifall wert! Dies gelang Freitagmorgen, nach deutscher Zeit, dem Berliner Andreas Erm beim 20 km Gehen, begleitet von sommerlicher Hitze. Da Gehen noch immer von vielen als bloße Randerscheinung betrachtet wird, sei noch erklärt, dass ein 24-Jähriger in diesem Sport als Grünschnabel gilt. Erm trägt zudem anno 2000 den inoffiziellen Titel "Bester Geher Deutschlands". Weit und breit ist derzeit nichts mehr von einstiger Qualität der Weltmeister und Olympiasieger von Höhne bis Weigel, von Frenkel bis Kanneberg und Gauder zu sehen. Leider. Bis auf Erm, den Sydney-Fünften, geht nicht viel.

Dabei hatten die Sydneystarter unter Verbandstrainer Hans-Joachim Pathus wochenlang mexikanische Höhenlagen aufgesucht, um ihre Form zu steigern. Erm blieb in Marzahn und ging, wie seit Jahren gewohnt, nach den Trainingstipps seines Vaters. Dieser Siegfried Erm ist Autodidakt, aber offensichtlich mit dem Fingerspitzengefühl und dem richtigen Bezug zum Filius ausgestattet, der solche Paukenschläge möglich macht. Nach Sydney reiste Vater Erm mit privater Hilfe zweier Sponsoren, um erst in Brisbane Andreas weiter zu trainieren und dann am Sydney-Straßenrand lautstark anzufeuern. Es half. Zeitsoldat Erm legte eine kesse Sohle hin und verbesserte seinen Atlantaplatz, 24., erheblich.

"Wir wussten, dass Andreas mit der Weltspitze mitgehen kann. Immerhin ging er im Juni beim Europacup neue deutsche Bestleistung", sagte Vater Erm. Junior Erm ergänzte etwas außer Atem: "Nach zwölf Kilometern habe ich gedacht, heute machst du eine Medaille. Dann wurde es schwer, auf dem letzten Kilometer war ich grau."

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