Sport : Gehen: Stehen, gehen, fliegen

Helmut Schümann

Sie haben diese herzzerreißenden Bilder gesehen? Die von Jane Saville, einer Australierin, als sie nach 19,8 Kilometer Gehen das Ziel vor Augen hatte und dann von einem unbarmherzigen Kampfrichter disqualifiziert wurde? All die Tränen, all die Wut bei Trainer Ronald Weigel, der mit Stühlen schmiss, wie es sonst nur englische Hooligans können.

Die Szene vor vier Jahren in Atlanta bei den patriotischen Amerikanern - der gnadenlose Kampfrichter wäre ausgewiesen worden, hätte nie mehr reingedurft ins Land, McCarthy, der alte Kommunistenjäger wäre wieder auferstanden, weil er was Politisches vermutet hätte. Hat auch Ronald Weigel, der zu gerne einmal wüsste, aus welchem Land dieser Kampfrichter denn stammt. Es steckt aber nichts Politisches dahinter, nur das Regelwerk. Und das besagt beim Gehen, dass immer ein Fuß auf dem Boden zu sein hat. Andernfalls, wenn beide Füße in der Luft sind, wäre es ja Laufen. Und das ist verboten beim Gehen. Oder, wenn beide Füße auf dem Boden sein müssten, wäre das ja Stehen, und das bringt nicht einmal beim Gehen etwas.

Nun ist das beim Gehen immer schwer zu sagen, wer nun geht und wer läuft. Die Olympiageher gehen ja schneller, als andere Menschen laufen, da kann man das nicht immer erkennen. Es war also eine endlos lange Debatte zu befürchten hier im fünften Ring, ob denn Mrs. Saville nun gelaufen ist oder gegangen. Der frühe Morgen jedoch brachte das sofortige Ende der Debatte. Es ist eindeutig, der Kampfrichter hatte Recht, Jane Saville ist gelaufen. Der "Australian" veröffentlichte den Beweis, ein Foto, das deutlich zeigt, was druntersteht: "Walking on air".

Es kommt wohl zu den vielen erfreulichen Angewohnheiten der Australier noch eine hinzu: Fairness. Wir werden weitersehen.

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