Geher-Wettbewerb : Das richtige Fersmaß

Wiebke Osswald ist heute eine von 25 Rundenzählern beim Geherwettbewerb auf dem Pariser Platz.

Eva Kalwa
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Sagt, wann Schluss ist. Wiebke Osswald betreut heute zwei Geher. -Foto: Thilo Rückeis

Wenn diesen Freitag um 9.10 Uhr die Männer in der Innenstadt zu ihrem WM-Wettbewerb über 50 Kilometer aufbrechen, haben die Athleten geschlagene 25 Runden zwischen Brandenburger Tor und dem Standbild des Alten Fritz vor sich. Und auch Wiebke Osswald aus Kaulsdorf sieht einem anstrengenden Wettkampf bei voraussichtlich wieder hohen Temperaturen entgegen – auch wenn sie dabei sitzen darf.

Denn die 20-jährige Kampfrichterin sitzt als eine von 25 Rundenzählern beim Geherwettbewerb auf dem Pariser Platz. Dabei ist sie verantwortlich für zwei Athleten – im Idealfall einen langsamen und einen schnellen Geher. „Die sind im Feld bald weit auseinander, und das erleichtert meine Aufgabe“, sagt Osswald. Sie muss nicht nur bei höchster Aufmerksamkeit die Rundenzahl der beiden Athleten überwachen, sondern ihnen auch per Blickkontakt und über einen Block anzeigen, ob sie auf die Zielgerade einbiegen dürfen oder noch eine Runde zu laufen haben. Bei einem Fehler würde das geschehen, was dem Berliner Geher André Höhne, der heute auch an den Start geht, bei der WM 2007 in Osaka passiert ist: Sein Rundenzähler hatte nicht aufgepasst und Höhne, der auf Bronzekurs war, auf eine zusätzliche letzte Runde geschickt – mit der Folge, dass der deutsche Athlet kurz vor dem Ziel in der Hitze kollabierte. Osswald ist zuversichtlich, dass ihr ein solcher Patzer bei der WM nicht passieren wird: „Auch wenn wir heute mehr als vier Stunden bei der Wärme hochkonzentriert sein müssen – wir stehen das genauso durch wie die Athleten.“ Viel Wasser, die einheitlich weißen Kappen und Sonnenschutz helfen den Rundenzählern.

Osswald ist in der Leichtathletik zu Hause, seit sie mit sieben Jahren angefangen hat, beim Athletic Club Berlin zu trainieren. Als Jugendliche hat sie fünf bis sechs Mal die Woche Hürdenlauf trainiert, heute übt sie fast jede Disziplin aus: „Aber nur noch, weil es Spaß macht. Wir nennen uns die ,Gurkentruppe‘“, lacht sie. In zwei Wochen startet Osswald in Spandau bei einem Jedermanns-Zehnkampf. Und sie leitet in Kaulsdorf auch die Abteilung „Kindersport“, in der sie Drei- bis Vierjährige ganz spielerisch an die Leichtathletik heranführt – in Abwesenheit der Eltern. „Die sind oft viel zu ängstlich und verbieten ihren Kindern viel zu viel“, sagt Osswald. „Die Kleinen müssen ihre eigenen Erfahrungen machen, um Freude an der Bewegung zu entwickeln.“

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