Sport : Geipel: Reuige Dopingtrainer sollten zweite Chance erhalten

Hamburg - Die ehemalige DDR-Leichtathletin Ines Geipel würde früheren Dopingtrainern durchaus eine zweite Chance geben. „Ich bin immer für eine Amnestie, wenn jemand klar macht, dass er einen Bruch vollzieht und öffentlich erklärt, dass er sein Tun verändert“, sagte die in Berlin lebende Literatur-Professorin und Buchautorin. „Ich bin für Amnestie, aber nicht für Amnesie.“

Um einen Schlussstrich zu ziehen, „müssen die sich endlich mal bei den Athleten entschuldigen“, forderte die frühere Sprinterin, „die haben Menschen geschädigt.“ Eine solche Reue habe sie „nie erlebt, in den ganzen 20 Jahren nie“, sagt Ines Geipel. „Da war immer eine Kultur der Abwehr da, wie ein Bollwerk, sie tragen immer noch ihre Erfolge vor sich her“, sagte Geipel. Als Spitzensportlerin war sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren selbst ins DDR-Zwangsdopingsystem eingebunden.

Dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) warf Geipel Untätigkeit bei der Aufarbeitung der Trainerproblematik vor. Der jetzt akute Fall Werner Goldmann „liegt seit mindestens acht Jahren auf dem Tisch“. Im Jahr einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft im eigenen Land müsse der Verband „das endlich mal klären.“ Im DLV werde viel geredet, aber wenig getan.

Auch im Fall Goldmann, Trainer des Berliner Diskuswurf-Vizeweltmeisters Robert Harting, werde wieder deutlich, dass eher die Täter als deren Opfer in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. „Es ist schon auffällig, wie wenig die Geschädigten ins Blickfeld rücken“, sagte Ines Geipel, die ihren Namen vor zweieinhalb Jahren aus der nationalen Rekordliste des DLV streichen ließ. „Kein Trainer, kein Athlet, kein Funktionär hat jemals öffentlich gestanden“, sagte Ines Geipel. Das „große Schweigen“ gibt der 48- Jährigen zu denken - aber sie hat ihre Erklärungen. „Das DDR-System ist nie bloßgestellt worden, das Unrechtsbewusstsein fehlt.“ dpa

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