Sport : Geist im Sportforum

Der Schatten ihres früheren Trainers Pierre Pagé ist bei den Eisbären immer noch groß

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé spielt im Berliner Sportforum immer noch eine Rolle. Zuverlässig werden nach jedem Spiel der Eisbären im VIP-Raum Neuigkeiten aus der österreichischen Eishockey-Liga ausgetauscht, das klingt dann in etwa so: „Schon gehört? Salzburg hat das vierte Heimspiel in Folge verloren.“ Derlei Aussagen provozieren Schmunzler bei den Zuhörern, nach dem Motto: Ja, der Pagé, dem geht es zurzeit bei Red Bull Salzburg gar nicht gut, dafür geht es uns gut. Blendend sogar, seit der Kanadier in Berlin nicht mehr Trainer ist – die Eisbären führen die Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an.

Das ist eine Überraschung, schließlich liegt eine verkorkste Saison hinter den Berlinern. In der sechsten und letzten Spielzeit unter Pagé verpassten sie die Play-offs, nach einem peinlichen 0:6 bei den Frankfurt Lions. An jenem Abend im März entlud sich in einem Frankfurter Hotel das angespannte Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer. Der ließ die Polizei rufen, weil er sich bedroht fühlte. Das, so berichten Augenzeugen, sei übertrieben gewiesen. Ein wenig Telefonterror eines Spielers habe es gegeben, sonst nichts. Tatsache ist: Pagé war in der Kabine wegen seines harschen Tons unbeliebt. „Man muss seinen Chef ja nicht lieben“, sagte er dazu. Das machen seine ehemaligen Spieler bis heute nicht. Verteidiger Jens Baxmann sagt: „Jetzt ist die Stimmung in der Kabine viel besser, der andere Trainer hat nie mit mir geredet.“ Der „andere Trainer“: Angeblich ist es den Spielern bei Geldstrafe verboten, Pagés Namen in den Mund zu nehmen. „Unsinn“, sagt Manager Peter John Lee. „Da haben sich ein paar Jungs einmal einen Spaß gemacht, sonst ist da nichts.“

Lee, mit Pagé am Ende dessen Berliner Amtszeit oft im Streit, mag den Geist von Hohenschönhausen nicht. „Wir müssen nach vorne schauen“, sagt er. Aber das Vermächtnis von Pagé ist groß: Ein Dutzend Spieler hat unter dessen Regie den Sprung in die DEL geschafft. Lee schüttelt den Kopf. „Unser Nachwuchskonzept hat der Pagé doch nicht allein erfunden.“ Wenn es denn so einfach wäre, dann würde Pagé nun doch auch in Salzburg Erfolg haben.

Tatsächlich hat der Kanadier das zurzeit nicht. Als Coach von Welt wurde er von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz mit Geld und traumhaften Voraussetzungen nach Salzburg gelockt. Pagé ist im Klub Trainer und Sportdirektor. Doch nach 16 Spielen ist Meister Salzburg mit neun Niederlagen nur Achter. Während die Eisbären heute als DEL-Tabellenführer in Mannheim antreten, muss Pagé in Salzburg gegen den Tabellenletzten Volan gewinnen, sonst droht der Fall auf den vorletzten Platz. Pagé sagt zu der Misere: „Wir haben hier einen Plan mit vielen jungen Spielern, wollen uns Stufe für Stufe weiterentwickeln. Wir müssen uns erst noch finden.“ So ähnlich hat Pagé bei den Eisbären bei seinem Dienstantritt argumentiert. Damals hat ihm in Berlin nicht jeder geglaubt, nach den Meisterttiteln 2005 und 2006 allerdings war das anders.

Seit Jackson in Berlin ist, muss er mit Vergleichen leben. Sprüche wie: „Pagé hätte das so gemacht“ oder „unter Pagé hätte es das nicht gegeben“ sind Alltag. Jackson nervt es nicht: „Ohne Pierre wäre ich nicht hier.“ Pagé holte ihn im Frühjahr 2005 als Kotrainer zu den Eisbären. „Ich telefoniere viel mit ihm“, sagt Jackson. Pagé bestätigt das: „Ich habe Don vor ein paar Tagen zu seinem Erfolg gratuliert. Ich freue mich immer, wenn die Eisbären Erfolg haben. Es ist ja schließlich ein gutes Konzept, was sie haben.“ Da schwingt Eigenlob mit, ist es im Wesentlichen doch noch sein Team, das in Berlin Erfolg hat – und haben muss. Denn der Schatten Pagés ist groß. Was, wenn die Eisbären nicht Meister werden? Dann waren sie nicht so erfolgreich wie zweimal unter ihrem Meistertrainer. Geschichten aus Salzburg oder die gute Stimmung in der Mannschaft werden dann weniger interessant sein.

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