Sport : Gelandet, gefordert

Stürmt Woronin schon gegen Wolfsburg für Hertha?

Michael Rosentritt

Berlin - Lucien Favres gestriger Arbeitstag hatte sich insgesamt nach hinten verschoben. Der Grund dafür trug einen Namen: Andrej Woronin. Auch wegen ihm hatte Herthas Trainer das eigentlich für den Vormittag geplante Training auf 16 Uhr verschoben, anschließend empfing er in der Geschäftsstelle des Berliner Bundesligisten den neuen Stürmer.

Zehn Tage nachdem Woronin, die Leihgabe vom FC Liverpool, den Berlinern sein Ja-Wort gegeben hat, traf er gestern auch leibhaftig in der Stadt ein. Um 18.09 Uhr landete Woronin mit seiner Familie in Tegel. „Ich freue mich, in Berlin zu sein“, sagte der 29-Jährige. Anschließend wurde er zum Vereinsgelände chauffiert, wo er mit Favre die erste persönliche Unterredung hatte.

Woronins Länderspieleinsätze für die Ukraine in der WM-Qualifikation gegen Weißrussland und am Mittwoch in Kasachstan hatten dazu geführt, dass er lediglich eine Trainingseinheit vor dem Bundesligaspiel gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr) absolvieren kann. Woronin fühlt sich dennoch in der Lage, bereits gegen Wolfsburg von Beginn an aufzulaufen. „Ich bin fit und kann spielen“, sagte er am Donnerstagabend. Trainer Favre hatte am Nachmittag offen gelassen, ob er Woronin anfangen lässt, allerdings wollte er seine Entscheidung vom Befinden des Stürmers abhängig machen.

Was ist zu erwarten von einem neuen Spieler, der seine Mitspieler und Laufwege gar nicht kennen kann? „Das frage ich mich auch“, antwortete Favre. Es sei prinzipiell zwar leichter, einen Stürmer zu integrieren, „aber es geht um das Gleichgewicht in der Mannschaft, das ich finden muss“. Woronin selbst sei weniger das Problem. Favre hält ihn für einen intelligenten Spieler, der bei vielen guten Klubs gespielt hat. Vielmehr gehe es um die Balance in der Teamaufstellung.

„Mit seiner Klasse würde er uns auch weiterhelfen, wenn er gar nicht trainiert hätte“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich. Eine Aussage, die sich in zwei Richtungen interpretieren ließe. Woronins Qualität ist unbestritten. Andererseits kann es um die bisherige Qualität Herthas nicht gut bestellt gewesen sein, wenn schon ein Spieler, der nicht einen Laufweg kennt, offenbar durch bloße Anwesenheit weiterhilft.

Nach dem Abschlusstraining am Freitag wird Woronin sich einem medizinischen Check unterziehen, wie er sonst vor Transfers üblich ist. Dieser war in seinem Fall nicht möglich, da der Deal kurz vor Ultimo abgewickelt worden war. Vermutlich wird Woronin erst Mitte nächster Woche nach Liverpool reisen und ein paar persönliche Dinge regeln können. Als er sich vor elf Tagen von dort aus auf den Weg in die Ukraine machte, wusste er noch nicht, dass er in Berlin landen würde. Hertha bestreitet am Dienstag das Uefa-Cup-Spiel gegen St. Patrick’s Athletic. Lucien Favre hätte Andrej Woronin schon ganz gern dabei. Michael Rosentritt

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