Sport : Gelb ist nicht alles

Weil sein Konkurrent Zabriskie stürzte, trägt Armstrong das Trikot des Spitzenreiters nur widerwillig – McEwen siegt im Sprint

Hartmut Scherzer[Montargis]

Das Feld musste auf Lance Armstrong warten. Weil der US-Amerikaner das Gelbe Trikot nicht tragen wollte. Es stünde ihm nicht zu, da David Zabriskie vom Team CSC am Tag zuvor nur wegen seines Sturzes beim Mannschaftszeitfahren zwei Kilometer vor dem Ziel die Führung in der Gesamtwertung verloren habe. Doch vor dem Start der fünften Etappe der Tour de France von Chambord nach Montargis legte der sich warm rollende Fahrerpulk eine Pause ein. Armstrong wurde angewiesen, sich umzuziehen. Der Texaner wird gewusst haben, dass eine Etappe ohne einen Fahrer im Gelben Trikot nicht gestattet ist, aber genauso war Armstrong sicher bewusst, dass ihm seine Geste Anerkennung bringt. Im Ziel bekam der sechsmalige Tour-Sieger dann ein weiteres Gelbes Trikot, weil sich im Gesamtklassement nichts änderte.

Im Massensprint war der Australier Robbie McEwen schneller als Tom Boonen aus Belgien, der bei dieser Tour bereits zwei Etappen gewonnen hat. Möglich, dass der anspruchsvolle Zieleinlauf mit einer rechtwinkligen Kurve vor dem Ziel eher etwas für den mutigen McEwen als für den mit Kraft fahrenden Boonen war. Erst Tritt rausnehmen, dann wieder in Schwung kommen – das war nicht Boonens Ding. McEwen stellte sich geschickter an und verriet nachher, dass er sich gut vorbereitet hatte: „Ich habe diesen vertrackten Zieleinlauf vorher genau studiert.“

Dritter wurde Thor Hushovd aus Norwegen. Jan Ullrich kam wie die anderen Favoriten mit dem Hauptfeld ins Ziel, sein Rückstand auf Armstrong bleibt bei 1:36 Minuten. Schon kurz nach dem Start der Flachetappe hatte es die ersten Fluchtversuche gegeben, schließlich konnte sich der Spanier Juan Antonio Flecha vom Feld absetzen. Drei weitere Fahrer schlossen zu ihm auf, der Finne Kjell Carlström, der Italiener Salvatore Commesso und Laszlo Bodrogi aus Ungarn. An der Spitze hatten die vier Ausreißer zeitweise über vier Minuten Vorsprung. Obwohl Bodrogi nur 1:45 in der Gesamtwertung hinter Armstrong zurücklag, gab sich sein Team Discovery Channel keine große Mühe, die Ausreißer zu stellen. So waren es die Teams der besten Sprinter, die im Hauptfeld Tempo machten, um die Ausreißer einzuholen. Elf Kilometer vor dem Ziel war es dann so weit, und im Feld begannen die Positionskämpfe für den Massensprint in Montargis.

Verfolgen Sie die heutige Etappe im Live-Ticker: www.tagesspiegel.de

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