Sport : Geld oder Untergang

Berlins Bundesligaklubs verlieren eine halbe Million Euro aus Spielbankmitteln – einigen droht das Ende

Friedhard Teuffel

Berlin - Wenn in der nächsten Saison einige Berliner Bundesligaklubs absteigen, dann vielleicht auch deshalb, weil sich zu wenig Menschen für Erotik interessieren. Die frivole Tanzrevue „Belle et fou“ in der Spielbank am Potsdamer Platz zog jedenfalls nicht genügend Besucher an. Die Veranstaltung, bei der die Spielbank Mitbetreiber war, ging insolvent, anstatt neue Gäste an die Spieltische zu locken. Keine gute Nachricht für den Sport, dem immer an einer guten finanziellen Lage der Spielbank gelegen ist. Denn von Zuschüssen aus den Spielbanküberschüssen sind viele Berliner Bundesligavereine abhängig.

Heute berät der Senat, wie viel der Sport aus den Spielbankmitteln erhält, mit den Einnahmen der Spielbanken werden schließlich öffentliche Aufgaben finanziert. Um wenigstens etwas zu tun, hat nicht nur der Landessportbund (LSB) an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit geschrieben. Gerade viele kleinere Vereine haben Briefe verfasst, sie haben Angst vor dem Ende ihrer Bundesligamannschaft. 34 der 81 Erstligisten der Stadt erhalten derzeit Geld aus den Spielbanküberschüssen. Einige wird es vielleicht schon in der nächsten Saison nicht mehr geben. „Treffen wird es alle“, sagt LSB-Direktor Norbert Skowronek. Zwar wird wohl der Senat heute und das Parlament am Mittwoch die eigentliche Fördersumme von 1,1 Millionen Euro beschließen. Diese Summe hatte die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin bisher aber noch um 500 000 Euro aufgestockt, aus Spielbankmitteln, die in den Jahren zuvor nicht ausgegeben worden waren. Genau diese halbe Million wird den Berliner Bundesligaklubs nun fehlen.

Wem wird wie viel gestrichen? „Alles und nichts ist denkbar“, sagt Klaus-Peter Daesler, Arbeitsgruppenleiter in der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Gemeinsam mit dem LSB wird seine Verwaltung einen Vorschlag machen. Entscheiden wird darüber der Lotto-Stiftungsrat. „Es macht keinen Sinn, das Geld mit der Gießkanne zu verteilen“, sagt LSB-Direktor Skowronek.

Im Grunde gibt es nun drei Möglichkeiten. „Wir könnten beispielsweise Schwerpunkte bilden und nur noch eine Mannschaft pro Sportart fördern“, sagt Skowronek. Das würde im Wasserball bedeuten: Zwei der drei Berliner Erstligisten fliegen aus der Förderung, der SC Wedding und die SG Neukölln. Übrig blieben die Wasserfreunde Spandau. Dieser Idee hinge der Geruch der Wettbewerbsverzerrung an. „Für uns wäre dann Schluss mit der Ersten Liga“, sagt Wolfgang Herrath, Wasserballwart des SC Wedding. Die Spielbankmittel in Höhe von 30 000 Euro machen 40 Prozent seines Bundesligaetats aus. „Die Bundesliga könnten wir höchstens dann aufrechterhalten, wenn wir massive Einschnitte in der Jugendarbeit machen. Aber die Jugendarbeit hier ist sehr wichtig, zumal wir auch sehr viele türkische Jugendliche bei uns haben“, sagt Herrath. Auch für die SG Neukölln wäre ein Wegfall der Mittel „eine Katastrophe“, sagt Sprecher Jochen Hanz, „wir müssten wohl entweder unsere Frauen- oder unsere Männermannschaft zurückziehen“.

Die zweite Sparmöglichkeit wäre: keine Klubs mehr zu fördern, die für den Bundesligaspielbetrieb eine GmbH gegründet haben. Im Grunde kann schließlich jeder Berliner Bundesligist Fördermittel beantragen, außer den Fußballern von Hertha BSC haben das auch alle getan. Albas Basketballer erhalten jährlich 200 000 Euro plus 50 000 bei Erreichen der Play-offs, der EHC Eisbären 100 000 plus 50 000 bei Erreichen der Play-offs, die Handballer der Füchse 150 000. Alle drei Teams sind als GmbH organisiert. „Man sollte überlegen, ob große Vereine mit finanzkräftigen Sponsoren im Hintergrund überhaupt noch gefördert werden sollten“, sagt Markus Pauzenberger, der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die drei großen Klubs haben allerdings auch eine starke Lobby. Die höchste Grundförderung erhalten die Volleyballer des SCC: 230 000 Euro – ein Viertel des Saisonetats. 20 000 kommen dazu, wenn sie die Play-offs erreichen.

Bliebe als drittes Sparkriterium: die Förderkriterien anders einzugrenzen. Dass etwa nur noch Mannschaftssportarten Geld bekommen oder olympische Sportarten. Dann wären etwa die Footballer der Berlin Adler betroffen, die derzeit 55 000 Euro erhalten. „Bei uns kostet jeder Heimspieltag 4000 Euro“, sagt Vizepräsidentin Gitta Friedrich. Die Fördermittel geben sie ihrer Aussage nach jedenfalls nicht für teure Spielergehälter aus: „Bei uns kaufen sich die Spieler noch selber ihre Socken.“

Für welches Kriterium sich Sport und Senat auch entscheiden, sie werden die Fördermittel noch einmal grundsätzlich diskutieren. Steckt hinter ihnen noch die alte West-Berliner Subventionsmentalität? In Hamburg beispielsweise bekommen die Bundesligisten höchstens einen Fahrtkostenzuschuss. Oder ist die öffentliche Förderung unumgänglich, weil zu viele Bundesligisten um zu wenig Zuschauer und Sponsoren konkurrieren?

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