Sport : Geld und Spiele

Die Fußball-Bundesliga könnte neue Anstoßzeiten bekommen – Vereine und Fans sehen Probleme

Mathias Klappenbach,Klaus Raab

Berlin - Wie groß die Veränderungen für die Vereine und die Fans im Detail seien werden, steht noch nicht fest. Aber es wird welche geben. „Alle Beteiligten müssen kompromissbereit sein, wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen“, sagt Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC. Ab der kommenden Saison, wenn die Verwertungsrechte für die Fußball-Bundesliga neu vergeben sind, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu neuen Anstoß- und Fernsehzeiten kommen, weil die Deutsche Fußball-Liga (DFL) so wesentlich mehr Geld für ihre Vereine erzielen will.

Im Gespräch ist vor allem die Verlegung eines Samstagsspiels auf den Freitagabend, zudem soll eines der Samstagsspiele als „match of the day“ erst um 18.30 Uhr angepfiffen werden. Besonders die Wiedereinführung des Freitagabendtermins, der nach der Saison 2000/01 abgeschafft wurde, könnte zu Problemen führen. Vereine, die am Donnerstag im Uefa-Cup gespielt haben, würden am Tag darauf nicht wieder spielen können. Und auch wer am Mittwoch in der Champions League gespielt oder Spieler für ein Länderspiel abgestellt hat, wird über den Termin nicht glücklich sein.

Dieter Hoeneß hatte bei den letzten Spielen kritisiert, dass Hertha keine 48 Stunden nach dem Uefa-Cup am Samstag wieder in der Bundesliga spielen musste. In dieser Saison sind fünf deutsche Vereine als Teilnehmer in den Uefa-Cup gestartet, so dass es schon theoretisch unmöglich war, alle Mannschaften für die beiden Sonntagsspiele anzusetzen. Um dieser grundsätzlichen Problematik, die durch neue Anstoßzeiten in der Bundesliga zu weiteren Schwierigkeiten bei der Spielplanung führen könnte, aus dem Weg zu gehen, bemühen sich neben dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) derzeit mehrere europäische Verbände darum, bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) am Dienstag oder Mittwoch Termine vor den Abendspielen der Champions League durchzusetzen. Doch die Uefa möchte die Exklusivität der Champions League schützen. Hier scheint die Kompromissbereitschaft, die den nationalen Ligen die Vermarktung erleichtern würde, gering zu sein.

So werden es eher die Fans und die Zuschauer sein, die Kompromisse machen müssen. „Wenn man die Freitagsspiele gleichmäßig verteilt, hätte jeder Verein etwa zwei Heim- und zwei Auswärtsspiele. Da könnte man die Spiele doch so legen, dass die Reisen nicht zu weit sind und Hertha zum Beispiel in Wolfsburg statt in München spielt“, sagt Hoeneß.

Die Vereine nehmen die Schwierigkeiten in Kauf. „Alle Klubs sind für notwendige Veränderungen. Und der Freitag wäre das kleinste Problem. Die Fans mögen die Flutlichtspiele“, sagt Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen.

Johannes Stender, Sprecher des Bündnisses Aktiver Fußballfans (BAFF), aber sagt, sowohl Freitags- als auch Sonntagsspiele seien „für Fans dann ein Problem, wenn die Fahrt zu einem Auswärtsspiel weit ist“. Er plädiert für „maximal zwei Tage für einen Bundesligaspieltag“. Noch ärgerlicher als den Freitag finden Fanvertreter von Zweitligavereinen die Montagsspiele.

Einig sind sich die Fansprecher darin, dass der Haupttermin für Bundesligaspiele der Samstag um 15.30 Uhr bleiben sollte. „Samstagnachmittag ist Fußball“, sagt Kai Bernstein von der Initiative „Pro-Fans“. „Andere gehen sonntags in die Kirche, und an beidem sollte man nicht rütteln.“ Er weist auch auf die Rolle der Fans für die Vermarktung hin: „Wenn das Stadion leerer und dadurch die Atmosphäre schlechter ist, weil die Anstoßzeiten ungünstig sind, wird sich Fußball schlechter verkaufen lassen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“

Seite 31

0 Kommentare

Neuester Kommentar