Sport : Geld und Spiele

Christian Hönicke

Einige Spieler des FC Chelsea wetten offensichtlich gern. So gern, dass sie während des Besuchs einer Pferderennbahn, so berichtet der „Daily Mirror“, etwa 700 000 Euro an einem Tag verjubelt haben sollen. Solche Meldungen und der neue Wettskandal in Deutschland – wenn es denn einer ist – legen nahe, sich einmal mit dem Berufsbild des professionellen Fußballers zu befassen. Gemeinhin gilt die Vermutung, Profis seien kaum anfällig für Wettgeschäfte und eventuell einhergehende Spielmanipulationen, weil sie genügend Geld verdienen. Dabei wird aber ausgeklammert, dass Fußballprofis meist junge und selten besonders gebildete Männer sind, die bei dem Versuch, ihr Leben außerhalb des Platzes zu organisieren, oftmals auf sich allein gestellt sind. Sie verfügen zwar über ein vergleichsweise hohes Einkommen, aber auch über vergleichsweise wenig Erfahrung und Ausgleich. Ihre 90 Minuten im Scheinwerferlicht werden begleitet von viel Leerlauf im Leben drumherum.

Ein gepflegtes Spielchen ist, wie man hört, unter Fußballern eine beliebte Beschäftigung, diese drögen Phasen zu überbrücken. Die einen daddeln an der Playstation, andere klopfen Karten, wieder andere geben sich gern mal einer Wette hin. Schnell verschwimmen da die Verhältnismäßigkeiten, und die hohen Gehälter machen sie nicht besser erkennbar.

Menschen, die ein Leben am Rande der Dekadenz führen, sind auch anfälliger für dekadente Spielchen. Vermutlich hat sich im Fußball bereits eine Art Parallelgesellschaft entwickelt, die sich mit diesen Spielen selbst unterhält und nur noch sporadisch mit der Außenwelt in Kontakt tritt. Es kann bestimmt nicht schaden, wenn die Klubs ihren Spielern ein wenig Unterstützung anbieten – mit einem Integrationshelfer für Fußballer.

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